Kennst du das? Du hast ein Netzwerk, das über viele Jahre gewachsen ist: frühere Kolleginnen und Kollegen, Menschen aus dem Studium, aus einem Verband, Verein oder Ehrenamt. Du kennst diese Personen persönlich und gehst deshalb ganz selbstverständlich davon aus, dass dein LinkedIn-Profil für sie keine große Rolle spielt. Schließlich kennt man sich doch. Genau hier liegt jedoch ein blinder Fleck. Denn auch analoge Kontakte informieren sich heute digital über dich – vor einem erneuten Treffen, nach einer Veranstaltung oder bevor sie dich weiterempfehlen.
Umgekehrt passiert häufig Folgendes: Du triffst jemanden auf einer Veranstaltung, ihr tauscht euch gut aus und vernetzt euch anschließend auf LinkedIn. Danach passiert nichts mehr. Die digitale Verknüpfung besteht, doch eine echte Beziehung entsteht daraus nicht. Genau diese beiden Situationen stehen im Mittelpunkt der Podcastfolge 261. Ich zeige dir, warum die Trennung zwischen analogem und digitalem Netzwerk meist nur in deinem Kopf existiert, wie du mithilfe meiner Vier-Ebenen-Networking-Strategie deinen blinden Fleck erkennst und was du tun kannst, damit aus losen Kontakten tragfähige Beziehungen werden.
Warum analoge Kontakte längst auch digital sind
Der Gedanke, das eigene Netzwerk bestehe aus zwei getrennten Bereichen, klingt zunächst logisch: Auf der einen Seite sind die Menschen, die du persönlich kennst. Auf der anderen Seite stehen deine digitalen Kontakte auf LinkedIn. Doch in der Realität verschwimmen diese Grenzen längst.
Eine Teilnehmerin meines „Juristinnen machen Karriere!“ Bootcamps hat das kürzlich sehr treffend beschrieben. Sie war überrascht, dass auch Menschen aus ihrem gewachsenen persönlichen Umfeld vor einem Treffen auf LinkedIn nach ihr suchen. Für sie war klar: Man kennt sich doch bereits. Warum sollte sich jemand dann zusätzlich digital informieren?
Die Antwort ist einfach: Menschen wollen wissen, wo du heute stehst. Vielleicht liegt euer letzter Austausch bereits einige Jahre zurück. Vielleicht haben sich deine Position, deine Expertise oder dein beruflicher Schwerpunkt verändert. Dein LinkedIn-Profil liefert genau diese Informationen – sofern es aktuell und aussagekräftig ist.
Auch ich habe diese Erfahrung gerade erst selbst gemacht. Während eines Aufenthalts in Regensburg habe ich einen früheren Studienkollegen kontaktiert, den ich seit fast 29 Jahren nicht mehr gesehen hatte. Wir hatten damals gemeinsam studiert, danach führten unsere Wege in unterschiedliche Richtungen. Weil ich wusste, dass sein Vater früher eine Kanzlei in Regensburg hatte, habe ich recherchiert, angerufen – und wenige Tage später saßen wir gemeinsam bei einem Kaffee.
Dieses Beispiel zeigt: Analoge Kontakte verlieren ihren Wert nicht, nur weil lange kein Austausch stattgefunden hat. Aber sie brauchen manchmal einen digitalen Impuls, damit die Verbindung wieder lebendig wird.
„Die gedankliche Trennung zwischen „analog“ und „digital“ entscheidet mit darüber, wie viel Potenzial du aus deinem Netzwerk tatsächlich ziehst und wie viel du davon verschenkst, ohne es zu merken.“
Die Vier-Ebenen-Networking-Strategie
Um zu verstehen, warum eine Verknüpfung noch keine tragfähige Beziehung ist, hilft dir meine Vier-Ebenen-Networking-Strategie. Sie zeigt, wie sich lose Kontakte Schritt für Schritt weiterentwickeln lassen.
Ebene 1: Lose Kontakte
Hier beginnt jedes Netzwerk. Dazu gehören Personen, denen du einmal begegnet bist, mit denen du bei einer Veranstaltung gesprochen hast oder mit denen du über LinkedIn verbunden bist. Es kann sich um einen rein digitalen Erstkontakt handeln oder um eine kurze persönliche Begegnung.
Diese Ebene steht vor allem für Quantität. Lose Kontakte kennen dich noch nicht gut genug, um dich zuverlässig weiterzuempfehlen, dir ein Mandat zu vermitteln oder gemeinsam mit dir ein Projekt umzusetzen. Sie sind jedoch der Ausgangspunkt für alles Weitere.
Ebene 2: Netzwerkpartnerinnen und Netzwerkpartner
Auf dieser Ebene kennt ihr eure fachlichen Kompetenzen, Qualitäten und Interessen bereits besser. Es gab mindestens einen vertieften persönlichen Austausch – vor Ort, telefonisch oder bei einem virtuellen Kaffee.
Dadurch entsteht Vertrauen. Und Vertrauen ist die Grundlage dafür, dass Networking nicht bei einem unverbindlichen Kontakt bleibt, sondern ein gegenseitiges Geben und Nehmen möglich wird.

Ebene 3: Kooperationspartnerinnen und Kooperationspartner
Aus Netzwerkbeziehungen können mit der Zeit konkrete Kooperationen entstehen. Ihr kennt euch bereits länger, nutzt Synergien und arbeitet beispielsweise bei Veranstaltungen, Fachbeiträgen, Mandaten oder anderen Projekten zusammen.
Ebene 4: Multiplikatorinnen und Multiplikatoren
Diese Menschen sprechen über dich, wenn du nicht dabei bist. Sie empfehlen dich weiter, bringen dich bei passenden Gelegenheiten ins Spiel und sorgen dafür, dass deine Expertise in ihrem Umfeld bekannt wird.
Entscheidend ist: Die erste Ebene umfasst sowohl digitale als auch analoge Kontakte. Der Ort der ersten Begegnung sagt nichts darüber aus, wie wertvoll sich eine Beziehung später entwickeln kann. Problematisch wird es nur dann, wenn du auf der ersten Ebene stehen bleibst.
Der blinde Fleck zwischen analog und digital
Viele von uns teilen ihr Netzwerk unbewusst in zwei Schubladen ein. Menschen, die wir persönlich kennen, erscheinen uns „echter“ und wertvoller. LinkedIn-Kontakte betrachten wir dagegen oft als lockere digitale Verbindungen, die nicht dieselbe Bedeutung wie analoge Kontakte haben.
Diese Trennung existiert allerdings meist nur in unserem eigenen Kopf. Deine Kontakte denken nicht zwingend genauso. Menschen aus deinem persönlichen Netzwerk suchen dich möglicherweise bei LinkedIn oder Google, bevor sie sich erneut mit dir treffen. Und Personen, die dich bislang nur digital kennen, würden sich vielleicht sehr über eine persönliche Nachricht oder eine Einladung zum Austausch freuen.
Wenn du diesen Zusammenhang übersiehst, verschenkst du gleich in zwei Richtungen Potenzial:
- Bei deinen persönlichen Kontakten unterstützt dein digitaler Auftritt möglicherweise nicht das Bild, das du analog vermitteln möchtest.
- Bei deinen digitalen Kontakten fehlt häufig der Schritt hin zu einem echten persönlichen Austausch.
Der Kern des blinden Flecks liegt deshalb oft im eigenen Selbstbild. Vielleicht sagst du über dich: „Ich bin einfach kein digitaler Typ.“ Oder: „Ich netzwerke lieber persönlich.“ Das ist zunächst eine Aussage über dich – nicht über dein Gegenüber. Wenn du daraus ableitest, dass andere LinkedIn ebenfalls für unwichtig halten, überträgst du deine eigene Haltung auf dein Netzwerk.
Genau deshalb solltest du analoge Kontakte und LinkedIn-Verbindungen nicht als Gegensätze betrachten. Beides sind unterschiedliche Kontaktpunkte innerhalb desselben Netzwerks.

„Wenn du das nicht auf dem Schirm hast, verzichtest du unbewusst auf Möglichkeiten zum echten Beziehungsaufbau: bei den analogen Kontakten, weil dein digitaler Auftritt nicht mitzieht, bei den digitalen Kontakten, weil du sie nie in einen echten, persönlichen Austausch überführst.“
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Analoge Kontakte und LinkedIn-Verbindungen: Dein Realitätscheck
Damit du deinen persönlichen blinden Fleck erkennst, lade ich dich zu einem kurzen Realitätscheck ein. Nimm dir zehn bis fünfzehn Minuten Zeit und beantworte die folgenden drei Fragen schriftlich.
1. Wer aus deinem persönlichen Netzwerk informiert sich digital über dich?
Überlege, bei welchen Personen es wahrscheinlich ist, dass sie vor oder nach einer Begegnung dein LinkedIn-Profil ansehen.
Das können beispielsweise sein:
- jüngere Kolleginnen, die du bei einer Veranstaltung kennengelernt hast,
- frühere Studienkontakte, mit denen du nach Jahren wieder ins Gespräch kommst,
- potenzielle Mandantinnen,
- Kooperationspartnerinnen oder
- Menschen, die überlegen, dich weiterzuempfehlen.
Gerade analoge Kontakte, die dich bereits länger kennen, wollen häufig erfahren, womit du dich heute beschäftigst. Dein digitales Profil sollte deshalb nicht nur deine Vergangenheit abbilden, sondern klar zeigen, wofür du aktuell stehst.
2. Welchen Eindruck vermittelt dein LinkedIn-Profil?
Betrachte dein Profil mit den Augen einer Person, die dich bisher nur persönlich kennt. Wird innerhalb weniger Sekunden deutlich:
- Was ist dein aktueller beruflicher Schwerpunkt?
- Für welche Themen stehst du?
- Welche Expertise bringst du mit?
- Was hat sich in den vergangenen Monaten oder Jahren verändert?
- Passt dein LinkedIn-Profil zu deinem Profil auf der Kanzlei- oder Unternehmenswebsite?
Prüfe auch, ob neue Qualifikationen, Publikationen, Vorträge, Positionen oder Projekte bereits sichtbar sind. Ich empfehle dir, dein Profil mindestens einmal jährlich, besser noch mehrmals im Jahr, mit diesem Blick zu überprüfen.
3. Welche digitale Verknüpfung kannst du persönlich vertiefen?
Gehe ausgewählte LinkedIn-Kontakte durch und frage dich: Mit wem würde ein persönlicher Austausch zu meinen aktuellen Zielen passen?
Es geht nicht darum, aus allen digitalen Verbindungen enge Beziehungen zu machen. Das wäre weder sinnvoll noch machbar. Wähle stattdessen eine oder zwei Personen bewusst aus. Schreibe eine persönliche Nachricht, greife einen gemeinsamen Anknüpfungspunkt auf und schlage beispielsweise einen kurzen virtuellen Kaffee vor.
So entwickelst du einen losen Kontakt gezielt zur Netzwerkpartnerin oder zum Netzwerkpartner weiter.

„Analog und digital sind kein Entweder-Oder. Dein Netzwerk trägt nur dann wirklich, wenn beide Seiten sich gegenseitig stützen.“
Fazit: Dein Netzwerk ist immer analog und digital zugleich
Dein Netzwerk besteht nicht aus zwei voneinander getrennten Welten. Analoge Kontakte können dich digital suchen, dir dort folgen und sich anhand deines Profils ein aktuelles Bild von dir machen. Digitale Kontakte können durch ein Gespräch, ein Treffen oder eine persönliche Geste zu wertvollen Netzwerkpartnerinnen und Netzwerkpartnern werden.
Entscheidend ist deshalb nicht, wo eine Verbindung entstanden ist. Entscheidend ist, was du anschließend daraus machst. Ein loser Kontakt wird nicht automatisch zu einer tragfähigen Beziehung. Dafür braucht es Interesse, bewusste Kontaktpflege und den Mut, den nächsten Schritt zu gehen.
Mein Umsetzungstipp für dich: Wähle heute einen einzigen Kontakt aus deiner ersten Networking-Ebene aus. Wenn ihr euch persönlich kennengelernt habt, prüfe dein LinkedIn-Profil mit den Augen dieser Person und überlege, wie du den Austausch wieder aufnehmen kannst. Ist der Kontakt digital entstanden, suche nach einer persönlichen Geste, mit der du die Beziehung vertiefst.
Analog und digital sind kein Entweder-oder. Dein Netzwerk trägt dich erst dann wirklich, wenn beide Seiten einander unterstützen.
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Die Erfolgstipps: So wirst du wirklich vernetzt
In der Podcastfolge 261 erfährst du praxisnahe Tipps, wie du analoge Kontakte digital besser sichtbar machst und aus LinkedIn-Verbindungen echte Beziehungen entwickelst.
Hier sind meine wichtigsten Tipps für dich:
✅ Trenne dein Netzwerk nicht länger in analog und digital. Der Ort des ersten Kontakts ist weniger wichtig als die Frage, wie du die Beziehung anschließend weiterentwickelst.
✅ Sorge dafür, dass dein digitaler Auftritt dein persönliches Networking unterstützt. Menschen, die dich bereits kennen, informieren sich trotzdem online über dich. Dein Profil sollte deshalb aktuell, klar und aussagekräftig sein.
✅ Entwickle ausgewählte LinkedIn-Kontakte bewusst weiter. Eine persönliche Nachricht, ein Telefonat oder ein virtueller Kaffee können aus einer bloßen Verknüpfung einen echten Kontakt machen.
Weitere (Hör-)Tipps
- Folge 220: Ein „virtueller Kaffee“ als Networking-Erfolgsstrategie: Wie dir als Juristin digital ein persönlicher Austausch mit Erstkontakten gelingt
- Folge 209: Networking ist mehr als ein guter Erstkontakt! 5 Powertipps für die strategische Beziehungspflege von & mit Netzwerkpartner:innen
- Folge 208: Netzwerkkontakte zu Multiplikator:innen machen: Wie du als Juristin von Empfehlungen aus deinem Netzwerk profitierst
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