JMK 262 - Wer gut ist, wird gesehen? Über den Karriere-Irrglauben, dass dich allein deine Leistung als Juristin weiterbringt

262: Wer gut ist, wird gesehen? Über den Karriere-Irrglauben, dass dich allein deine Leistung als Juristin weiterbringt

Als ich in den Anwaltsberuf gestartet bin, hatte ich eine ziemlich klare Vorstellung davon, wie Karriere funktioniert: durch Leistung. Schließlich ist Jura ein sehr leistungsorientiertes Studium. Du bereitest dich gründlich vor, vertiefst dein Wissen, zeigst in der Prüfung deine fachliche Stärke und erhältst dafür im Idealfall die entsprechende Note. Deshalb ging auch ich lange davon aus: Wer gut ist, wird gesehen.

Mein Chef sieht doch, dass ich einen guten Job mache. Die Mandant merken doch, dass ich sie kompetent berate und mich für ihre Anliegen einsetze. Die anderen Partner in der Kanzlei wissen doch, für welche Themen ich stehe. Also müssten die Gehaltserhöhung, spannende Mandate, Vortragsanfragen und Einladungen zu wichtigen Besprechungen irgendwann fast automatisch kommen.

Leider funktioniert der Berufsalltag nicht wie eine Klausur. Deine Leistung als Juristin ist unverzichtbar, sorgt aber nicht automatisch dafür, dass die richtigen Menschen deine Kompetenz wahrnehmen. In der Podcastfolge 262 erfährst du deshalb, welchen Stellenwert Leistung für deine Karriere tatsächlich hat, welche drei inneren Bremsen viele Juristinnen unsichtbar halten und wie du als Expertin sichtbar wirst, sichtbar bist und sichtbar bleibst.

 

Warum deine Leistung als Juristin allein nicht genügt

In meinen ersten Berufsjahren als Anwältin habe ich vor allem an meiner fachlichen Expertise gearbeitet. Ich fragte mich: Welche Fortbildung brauche ich noch? Wo kann ich mich weiterqualifizieren? Welche praktische Erfahrung fehlt mir? Was muss ich für meinen Fachanwaltstitel noch tun?

All das war sinnvoll. Der Irrtum bestand nicht darin, mich fachlich weiterzuentwickeln. Er lag darin, zu glauben, dass meine Leistung als Juristin ganz von allein meine interne und externe Sichtbarkeit erzeugen würde.

In meinen Coachings und Trainings begegne ich diesem Gedanken bis heute bei vielen fachlich exzellenten Kolleginnen. Sie leisten hervorragende Arbeit und beobachten gleichzeitig, wie andere an ihnen vorbeiziehen. Häufig sind es männliche Kollegen, die zu Mandant mitgenommen, für Panels vorgeschlagen oder nach ihrem Business Case für die Partnerschaft gefragt werden.

Währenddessen übernehmen die Kolleginnen organisatorische Aufgaben und wichtige Arbeit im Hintergrund. Diese Tätigkeiten sind für den Erfolg eines Teams unverzichtbar, führen aber selten dazu, dass die eigene Expertise bei Entscheidungsträger, Mandant oder Multiplikator sichtbar wird.

Ohne fachliche Kompetenz geht es nicht. Doch deine Arbeit kann nur dann auf deine Karriere einzahlen, wenn andere sie kennen, einordnen und mit deiner Person verbinden können.

Leistung ist die Eintrittskarte. Aber sie ist nicht der Grund, warum du – im übertragenen Sinne gesprochen” am Ende “auf der Bühne stehst”


Die drei Karriere-Erfolgsfaktoren und ihr tatsächlicher Stellenwert

Wenn ich Teilnehmerinnen meiner Karriere-Powerworkshops frage, welche Faktoren aus ihrer Sicht beruflichen Erfolg bestimmen, erhalte ich meist ähnliche Antworten: Expertise, Leistung, Selbstbewusstsein, Sichtbarkeit, strategisches Vorgehen und ein gutes Netzwerk.

Im Kern lassen sich daraus drei Karriere-Erfolgsfaktoren ableiten:

  • deine Leistung, also dein Wissen, deine Kompetenzen und deine Performance,
  • dein Image, also Personal Branding, Selbstmarketing und das Bild, das andere von dir haben,
  • dein Netzwerk, also deine Bekanntheit und der gute Ruf, der dir idealerweise vorauseilt.

Überraschend ist für viele Juristinnen nicht, welche Faktoren zählen, sondern wie stark sie gewichtet werden:

  • Leistung: 10 Prozent,
  • Personal Branding und Selbstmarketing: 30 Prozent,
  • Networking und Bekanntheit: 60 Prozent.

Als ich diese Zahlen zum ersten Mal sah, war ich geschockt. Hätte man mich zu Beginn meiner Karriere gefragt, welchen Anteil meine Leistung als Juristin an meinem beruflichen Vorankommen hat, hätte ich vermutlich 70 bis 75 Prozent genannt. Damit lag ich weit daneben.

JMK 262 - Wer gut ist, wird gesehen? Über den Karriere-Irrglauben, dass dich allein deine Leistung als Juristin weiterbringt

Realtalk: Der Karriere-Kuchen hat keine gleich großen Stücke

Die drei Erfolgsfaktoren verteilen sich eben nicht zu gleichen Teilen. Ohne Leistung fehlt dir die fachliche Grundlage. Aber dein Wissen spricht nicht von allein über dich.

Personal Branding bildet die Brücke zwischen deiner Kompetenz und den Menschen, die sie kennen sollten. Dein Netzwerk sorgt schließlich dafür, dass andere dich ins Spiel bringen, empfehlen und an dich denken, wenn eine passende Chance entsteht.

Professionelle Sichtbarkeit bedeutet dabei nicht, lauter als alle anderen aufzutreten. Es bedeutet, dafür zu sorgen, dass die richtigen Menschen wissen:

  • was du kannst
  • für welche Themen du stehst
  • wie du arbeitest
  • was dich als Persönlichkeit auszeichnet.

Drei Selbstbewusstseinskiller, die deine Sichtbarkeit bremsen

Wenn Personal Branding und Networking zusammen 90 Prozent der genannten Karriere-Erfolgsfaktoren ausmachen, stellt sich eine wichtige Frage: Warum investieren viele Juristinnen trotzdem fast ausschließlich in ihre Leistung?

Aus meiner Erfahrung liegt das häufig an drei inneren Bremsen: Perfektionismus, Selbstzweifeln und der Tendenz, sich selbst kleinzumachen.

1. Perfektionismus: „Ich brauche erst noch …“

Vielleicht kennst du Gedanken wie:

„Über dieses Mandat kann ich erst sprechen, wenn es vollständig abgeschlossen ist.“

„Ich muss erst noch diese Fortbildung machen.“

„Ich sollte mich erst bewerben, wenn ich wirklich jede einzelne Anforderung erfülle.“

Juristinnen warten häufig, bis sie ein Anforderungsprofil zu 100 Prozent oder mehr erfüllen. Viele männliche Kollegen heben schon bei einer deutlich geringeren Übereinstimmung die Hand. Während du dich also weiter vorbereitest, bewirbt sich ein anderer bereits, übernimmt den Vortrag oder meldet Interesse an dem Mandat an.

Mein Satz dazu lautet: Perfect is too late.

Frag dich deshalb: Worauf wartest du noch, bevor du dich als Expertin zeigst – und brauchst du das wirklich?

2. Selbstzweifel: „Darf ich mich schon Expertin nennen?“

Auch ich habe mich lange gefragt, ob ich mich bereits als Expertin bezeichnen darf. Schließlich war ich zu Beginn meiner Anwaltstätigkeit formal Berufseinsteigerin.

Dabei war ich promoviert, hatte dreieinhalb Jahre intensiv an einem Spezialthema gearbeitet und ein Buch veröffentlicht, zu dem mich sogar Menschen außerhalb der Kanzlei kontaktierten. Trotzdem glaubte ich, meinen Expertinnenstatus erst mit dem Fachanwaltstitel wirklich beanspruchen zu dürfen.

Selbstzweifel führen dazu, dass du vorhandene Expertise übersiehst oder für selbstverständlich hältst. Besonders stark zeigt sich das in Situationen, in denen du in der Minderheit bist: im Meeting, beim Mandantengespräch oder auf einer Veranstaltung mit überwiegend männlichen Teilnehmern.

Die passende Reflexionsfrage lautet: Was hältst du bei dir für selbstverständlich, das andere längst als deine Expertise erkennen?

3. Sich klein machen: „Das war doch nur Glück“

Der dritte Selbstbewusstseinskiller ist die Relativierung der eigenen Leistung:

„Das war Zufall.“

„Die anderen haben viel mehr beigetragen.“

„So besonders war das nun auch wieder nicht.“

Ich erinnere mich an eine Kollegin, die ich für einen Vortrag über ihre Tätigkeit als Anwältin im Umweltrecht gewinnen wollte. Mein damaliger Chef meldete sich sofort freiwillig. Die Kollegin dagegen brauchte mehrere Gespräche und fast zwei Wochen, bis sie glaubte, dass sie die Richtige für diesen Vortrag war.

Sie benötigte keine zwanzig Jahre Berufserfahrung. Gerade weil sie selbst noch relativ nah am Berufseinstieg war, konnte sie Studierenden einen besonders glaubwürdigen Einblick geben.

Frag dich daher: Welchen deiner Erfolge hast du zuletzt als Zufall abgetan und dadurch kleiner gemacht, als er tatsächlich war?

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Du bist deines Personal Brandings Glückes Schmied” Niemand sonst sorgt dafür, dass die richtigen Menschen wissen, was du kannst und wer du bist.


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So wird deine Leistung als Juristin in drei Stufen sichtbar

Bleibt die entscheidende Frage: Wie gehst du das konkret an?

Dafür habe ich aus meinen eigenen Erfahrungen und der Arbeit mit meinen Kundinnen die „Juristinnen machen Karriere! Methode“ entwickelt. Sie besteht aus drei Stufen: sichtbar werden, sichtbar sein und sichtbar bleiben.

Stufe 1: Als Expertin sichtbar werden

Auf der ersten Stufe klärst du deinen Expertinnenstatus und machst ihn erkennbar. Dazu gehört zunächst die innere Arbeit:

  • Wofür bin ich Expertin?
  • Welche Stärken und Erfahrungen bringe ich mit?
  • Was zeichnet mich als Persönlichkeit aus?
  • Was sollen andere über mich wissen und weitererzählen?

Anschließend überträgst du diese Klarheit in dein berufliches Umfeld. Du positionierst dich intern und extern, digital und analog. Ein wichtiger Baustein ist dabei dein LinkedIn-Profil.

Wenn dort lediglich „Rechtsanwältin“ oder „Legal Counsel“ steht, erfahren andere noch nicht, für welches Rechtsgebiet, welche Branche oder welche besondere Perspektive du stehst. Damit deine Leistung als Juristin wahrgenommen und richtig eingeordnet werden kann, musst du deine Expertise klar benennen.

Stufe 2: Als Expertin sichtbar sein

Viele Juristinnen bleiben nach dem ersten Schritt stehen. Das Profil ist eingerichtet, der Infotext aktualisiert – Haken dran.

Doch sichtbares Personal Branding braucht mehr als ein einmal optimiertes Profil. Es bedeutet, deine Expertise regelmäßig ins Gespräch und in Erinnerung zu bringen. Zum Beispiel, indem du:

  • intern oder extern einen Vortrag hältst,
  • dich bei Mandantenveranstaltungen einbringst,
  • Fachbeiträge oder LinkedIn-Artikel veröffentlichst,
  • auf LinkedIn fachlich kommentierst,
  • dich in berufsspezifischen oder branchenübergreifenden Netzwerken engagierst,
  • über erfolgreich abgeschlossene Projekte und Mandate sprichst.

Dabei geht es nicht um Dauerpräsenz. Es geht um konsistente und relevante Sichtbarkeit.

JMK 262 - Wer gut ist, wird gesehen? Über den Karriere-Irrglauben, dass dich allein deine Leistung als Juristin weiterbringt

Stufe 3: Als Expertin sichtbar bleiben

Personal Branding, Selbstmarketing und Networking sind kein Sprint, sondern ein Marathon. Deshalb geht es auf der dritten Stufe ums Dranbleiben und Nachjustieren.

Prüfe regelmäßig:

  • Gibt es Plattformen, auf denen meine Expertise noch nicht ausreichend sichtbar ist?
  • Welche Veranstaltungen passen zu meinen Themen?
  • Könnte ich mich dort als Referentin oder Panelistin einbringen?
  • Welche Kontakte sollte ich vertiefen?
  • Hat sich meine Positionierung verändert?

Die drei Stufen sind keine Einbahnstraße. Wenn du den Arbeitgeber wechselst, ein neues Rechtsgebiet erschließt, eine andere Position übernimmst oder eine neue Zielgruppe ansprichst, kann es notwendig sein, erneut sichtbar zu werden.

JMK 262 - Wer gut ist, wird gesehen? Über den Karriere-Irrglauben, dass dich allein deine Leistung als Juristin weiterbringt

Expertise ist kopierbar. Persönlichkeit nicht. Wenn du beides miteinander verbindest, wirst du unverwechselbar.


Fazit: Wer gut ist, wird nicht automatisch gesehen

Die Annahme „Wer gut ist, wird gesehen“ klingt fair. Sie passt zu allem, was wir aus Schule, Studium und Referendariat kennen. Doch der berufliche Alltag funktioniert anders. Deine fachliche Kompetenz ist die Grundlage deiner Karriere, aber nicht der einzige und auch nicht der größte Hebel für dein Vorankommen.

Die richtigen Menschen müssen wissen, was du kannst, wofür du stehst und was dich als Persönlichkeit auszeichnet. Genau dafür brauchst du Personal Branding, Selbstmarketing und ein tragfähiges Netzwerk.

Deine Leistung als Juristin sichtbar zu machen bedeutet nicht, ständig über dich zu sprechen oder dich größer darzustellen, als du bist. Es bedeutet, deine tatsächlichen Erfolge nicht länger zu verstecken, sie professionell einzuordnen und dafür zu sorgen, dass sie dort wahrgenommen werden, wo Entscheidungen über Mandate, Vorträge, Projekte, Gehalt und Karrierechancen getroffen werden.

Mein Umsetzungstipp für dich: Nimm dir heute fünf Minuten und frage dich, welcher der drei Selbstbewusstseinskiller dich gerade am stärksten ausbremst. Formuliere anschließend den Satz, den du dir selbst dazu erzählst, so um, dass er dich unterstützt.

Aus:

„Ich darf mich erst als Expertin bezeichnen, wenn ich den Fachanwaltstitel habe.“

wird zum Beispiel:

„Ich bin auf dem Weg zum Fachanwaltstitel und kann mich schon heute als Expertin verstehen und entsprechend auftreten.“

Wie du deine Kompetenz betrachtest, formulierst und kommunizierst, macht den Unterschied.

Du machst den Unterschied. Wenn nicht du, wer dann?


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Die Erfolgstipps: So bringst du deine Leistung als Juristin ins Blickfeld

In der Podcastfolge 262 erfährst du praxisnahe Tipps, wie du den Karriere-Irrglauben überwindest, dass Leistung allein für deine berufliche Entwicklung sorgt.

Hier sind meine wichtigsten Tipps für dich:

Investiere nicht nur in deine fachliche Leistung. Prüfe ehrlich, wie viel Zeit du derzeit in deine Expertise investierst und wie wenig möglicherweise in Personal Branding und Networking.

Erkenne deinen größten Selbstbewusstseinskiller. Bremst dich Perfektionismus, zweifelst du an deiner Kompetenz oder relativierst du deine Erfolge? Erst wenn du dein Muster erkennst, kannst du es verändern.

Arbeite kontinuierlich an deiner Sichtbarkeit. Sichtbar werden, sichtbar sein und sichtbar bleiben sind drei unterschiedliche Aufgaben. Ein optimiertes LinkedIn-Profil allein reicht nicht.

So sorgst du Schritt für Schritt dafür, dass deine Leistung als Juristin nicht länger im Hintergrund bleibt, sondern von den Menschen wahrgenommen wird, die für deine berufliche Entwicklung wichtig sind.

 


Weitere (Hör-)Tipps

  • Folge 249: Selbstbewusst sichtbar statt Zurückhaltung: Die 3 häufigsten Denkfehler im Selbstmarketing
  • Folge 222: Unsichtbar als Juristin war gestern … (Interview mit Sarah Kind)
  • Folge 211: Es reicht nicht, gut zu sein! Die 3-Schritt-Methode für Selbstbewusstsein als Anwältin im Arbeitsalltag
  • Folge 179: Die 3 Erfolgsfaktoren, um als ambitionierte Juristin Karriere zu machen

 Der „Juristinnen machen Karriere!“ Event-Tipp

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Zur Anmeldung: www.anja-schaefer.eu/karriere
Karriere-Powerworkshops 08/26 - Souverän sichtbar statt zurückhaltend

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