Stell dir folgende Situation vor: Du hast dein zweites Staatsexamen gemacht, arbeitest bereits einige Jahre als Juristin und bist fachlich gut aufgestellt. Erst arbeitest du als Anwältin, dann als Inhouse-Juristin in der Energiewirtschaft – und plötzlich fragt dich jemand aus dem Vorstand: „Wie sieht’s denn mit Personal aus?“ Kein Bewerbungsprozess, kein Masterplan, keine lange Vorbereitung. Einfach eine Frage, die alles verändern kann. Genau das ist Bianka-Sybille Horstmann passiert. Und sie hat Ja gesagt – obwohl sie es, wie sie selbst im Interview sagt, „eigentlich gar nicht beurteilen konnte“. Aus dieser Entscheidung wurde ein neuer Karriereweg: weg von der rein juristischen Tätigkeit, hinein in eine Führungsrolle im Personalbereich.
Heute, rund zwanzig Jahre nach ihrem Berufseinstieg, arbeitet Bianka-Sybille Horstmann als Head of HR an der Fachhochschule Münster, einer der größten Hochschulen für Angewandte Wissenschaften in Deutschland. Im Gespräch in der Podcastfolge 257 erzählt sie, warum sie diesen Wechsel nie bereut hat, weshalb ein Branchenwechsel nicht automatisch ein kompletter Neustart ist und was Sichtbarkeit, Netzwerke und Sisterhood damit zu tun haben. Dieser Artikel zeigt dir, welche Learnings du daraus für deinen eigenen Karriereweg mitnehmen kannst – gerade dann, wenn du selbst spürst, dass die nächste berufliche Entwicklung nicht mehr auf dem klassischen juristischen Pfad liegen muss.
Head of HR statt klassische Juristin: Wie Bianka-Sybille Horstmann in den Personalbereich gewechselt ist
Bianka-Sybille Horstmann hat ganz klassisch als Juristin begonnen. Nach dem zweiten Staatsexamen startete sie in einer Boutique-Kanzlei mit Schwerpunkt Energierecht. Danach zog es sie – wie sie selbst sagt – schon früh stärker in Unternehmen und größere Organisationen, weil sie immer interdisziplinär arbeiten wollte und nicht nur im engen juristischen Rahmen. Über diesen Weg kam sie zunächst in die Energiewirtschaft und später in die Rechtsabteilung eines kommunalen Energieversorgers.
Dort kam dann der Moment, der ihren Weg entscheidend verändert hat: Ihr wurde angeboten, in den Personalbereich zu wechseln. Für viele Juristinnen wäre das vermutlich erst einmal ein Schock gewesen. Genau das beschreibt auch Bianka-Sybille sehr offen: Sie hatte sich über Jahre auf juristische Themen spezialisiert und fragte sich natürlich, was nun mit ihrer „Juristerei“ passieren würde. Gleichzeitig war der Personalbereich so organisiert, dass Arbeitsrecht und Personalführung dort eng zusammengedacht wurden. Damit blieb die juristische Schnittstelle erhalten – und eröffnete gleichzeitig neue Gestaltungsmöglichkeiten.
Diese Offenheit für Neues ist etwas, das sich durch ihren gesamten Karriereweg zieht. Sie beschreibt sich selbst als jemanden, der neue Themen nicht vorschnell abwehrt, sondern bereit ist, ins kalte Wasser zu springen. Genau daraus wurde über die Jahre eine lange und prägende Karriere im HR-Bereich als Head of HR. Sie blieb nicht „nur kurz“ dort, sondern war schließlich rund vierzehn Jahre Leiterin Personal bei den Stadtwerken Herne, bevor sie den nächsten Schritt gegangen ist.

„Mut steht am Anfang und Glück am Ende.“
Demokrit – zitiert von Bianka-Sybille Horstmann
Was eine Head of HR heute wirklich macht
Wenn man nur den Titel hört, klingt Head of HR für viele zunächst nach klassischer Personalarbeit. Im Interview wird aber sehr deutlich, wie breit und strategisch diese Rolle in Wirklichkeit ist. Bianka-Sybille Horstmann verantwortet an der Fachhochschule Münster nicht nur das tägliche Personalgeschäft für mehr als 1.400 Beschäftigte, sondern ein sehr breites Feld: klassische Personalservices, Personalmarketing, Employer Branding, Personalcontrolling, arbeitsrechtliche Fragen, beamtenrechtliche Themen und die Führung einer großen eigenen Organisationseinheit.
Besonders spannend ist dabei, dass sie trotz des Wechsels in HR ihre juristischen Wurzeln nie aufgegeben hat. Im Gegenteil: Sie betont mehrfach, wie wichtig ihr die juristische Schnittstelle bis heute ist. Gerade im Arbeitsrecht und in anderen rechtlich geprägten Personalthemen profitiert sie von ihrem Hintergrund als Juristin. Das ist ein wichtiger Punkt für viele Hörerinnen: Ein Wechsel in eine andere Funktion bedeutet nicht automatisch, dass dein juristisches Know-how wertlos wird. Häufig wird es vielmehr zum entscheidenden Differenzierungsmerkmal.
Dazu kommt die strategische Dimension der Rolle. Als Head of HR geht es eben nicht darum, nur gutachterliche Stellungnahmen zu schreiben und andere entscheiden zu lassen. Es geht darum, selbst Entscheidungen zu treffen, Prozesse zu gestalten, Entwicklungen anzustoßen und Organisationen aktiv mitzuprägen. Genau dieser Gestaltungsraum war für Bianka-Sybille Horstmann ein zentraler Grund, warum sie diesen Weg so gern gegangen ist.

Head of HR und Branchenwechsel: Warum Veränderung nicht gleich Neustart bei Null bedeutet
Nach vielen Jahren in der Energiewirtschaft hätte Bianka-Sybille Horstmann auch einfach bleiben können. Sie hatte keinen akuten Handlungsdruck, fühlte sich wohl und war in ihrer Rolle etabliert. Trotzdem hat sie sich für einen Wechsel entschieden – und zwar in eine neue Branche: von der Energiewirtschaft an die Fachhochschule Münster. Seit Februar 2025 ist sie dort Head of HR.
Warum? Ein zentraler Punkt war für sie das Thema Vereinbarkeit. Sie lebt in Münster und wollte erstmals in ihrem Berufsleben erleben, wie es ist, am eigenen Wohnort zu arbeiten. Gleichzeitig war ihr klar, dass Personalarbeit in vielen Teilen branchenunabhängig ist. Genau das ist ein wichtiges Learning aus dem Gespräch: Ein Branchenwechsel ist nicht immer ein kompletter Neustart. Natürlich gibt es neue Rahmenbedingungen, neue Strukturen und neue Inhalte. Aber die Kernkompetenzen aus Führung, Arbeitsrecht, Kommunikation und Gestaltung bleiben übertragbar.
Das ist gerade für Juristinnen ein ermutigender Gedanke. Viele glauben, sie müssten sich für einen Wechsel komplett neu erfinden. Bianka-Sybille Horstmann zeigt sehr eindrücklich, dass das nicht stimmt. Wer eine starke Basis mitbringt, kann sie in neue Kontexte übertragen – gerade dann, wenn die Funktion, wie in ihrem Fall als Head of HR, stark von Führungs-, Kommunikations- und Strukturkompetenz geprägt ist.

„Sichtbar zu sein hat nichts damit zu tun, anzugeben mit dem, was man schon erreicht hat.“
Bianka-Sybille Horstmann
Sichtbarkeit ist kein Angeben – sondern strategische Karrierearbeit
Ein weiterer wichtiger Teil unseres Gesprächs war die Zusammenarbeit im 1:1-Coaching im Jahr 2024. Damals war Bianka-Sybille Horstmann noch als Head of HR bei den Stadtwerken Herne und hatte den Wunsch, sichtbarer zu werden – intern im Unternehmen, aber auch extern, insbesondere auf LinkedIn. Für sie war klar: Berufliche Weiterentwicklung braucht nicht nur Kompetenz, sondern auch Sichtbarkeit.
Besonders stark fand ich ihre Formulierung im Interview:
„Sichtbar zu sein hat nichts damit zu tun, anzugeben mit dem, was man schon erreicht hat.“
Genau darin liegt für viele Juristinnen ein zentraler Knoten. Sichtbarkeit wird oft mit Selbstdarstellung oder Arroganz verwechselt. Bianka-Sybille Horstmann beschreibt das viel differenzierter: Sichtbarkeit bedeutet, die eigene Expertise zu zeigen, für Themen einzustehen und die eigene berufliche Entwicklung aktiv mitzugestalten. Gerade in Zeiten von Fachkräftemangel und Veränderungsdruck können wir es uns nicht leisten, gut qualifizierte Frauen unsichtbar zu lassen.
Sie betont außerdem, wie wertvoll es ist, sich Sparringspartner:innen außerhalb der eigenen Organisation zu suchen. Manchmal braucht es genau diesen neutralen Blick von außen, um eigene Möglichkeiten klarer zu sehen. Das gilt selbst dann – oder gerade dann –, wenn man wie sie selbst tagtäglich mit Lebensläufen, Karrierewegen und Personalentscheidungen arbeitet.
Sisterhood als Führungsprinzip: Warum Frauen andere Frauen sichtbar machen sollten
Ein Thema, das mich im Gespräch besonders berührt hat, war Bianka-Sybille Horstmanns klare Haltung zum Thema Sisterhood. Für sie endet Sichtbarkeit nicht bei der eigenen Person. Sie verbindet damit auch Verantwortung gegenüber anderen Frauen. Ein Satz aus dem Interview bringt das sehr schön auf den Punkt: Wenn eine Frau im Raum etwas sagt und damit kein Gehör findet, dann sollte die zweite Frau im Raum genau das aufgreifen und stärken.
Das klingt schlicht, hat aber enorme Wirkung. Denn genau solche Situationen erleben viele Frauen im Berufsalltag immer wieder: Eine Idee wird übergangen, bis ein Mann sie wiederholt. Sisterhood bedeutet dann, diese Dynamik nicht einfach laufen zu lassen, sondern aktiv gegenzusteuern. Für mich ist das ein starkes Bild dafür, wie Führung, Sichtbarkeit und Solidarität zusammenhängen.
Diese Haltung zeigt sich auch darin, dass Bianka-Sybille Horstmann sowohl bei den Stadtwerken Herne als auch an der Fachhochschule Münster neben ihrer Tätigkeit als Head of HR Frauennetzwerke initiiert bzw. weiterentwickelt hat. Ihr Ziel ist es, Räume zu schaffen, in denen Frauen sich austauschen, voneinander lernen und Role Models erleben können. Das ist nicht „nice to have“, sondern ein strategischer Beitrag zu einer starken, vielfältigen Organisation.
„Wenn eine Frau im Raum etwas sagt und kein Gehör findet, muss ich als zweite Frau im Raum für sie einstehen.“
Bianka-Sybille Horstmann
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Fazit: Mut steht am Anfang – und Entwicklung folgt daraus
Bianka-Sybille Horstmann zeigt mit ihrem Weg sehr eindrücklich, dass Karriere nicht immer linear verläuft – und genau darin oft ihre Stärke liegt. Sie ist nicht trotz ihres Wechsels, sondern gerade durch ihre Offenheit, ihre Sichtbarkeit und ihre Bereitschaft, neue Wege zu gehen, heute Head of HR geworden. Ihr Beispiel macht Mut, weil es zeigt: Du musst nicht auf Druck warten, um etwas zu verändern. Manchmal reicht eine neue Perspektive, eine klare Frage oder die Bereitschaft, dich selbst ernster zu nehmen.
Besonders schön fand ich zum Abschluss ihr Zitat von Demokrit:
„Mut steht am Anfang und Glück am Ende.“
Genau das kannst du aus dieser Folge mitnehmen: Deine berufliche Entwicklung entsteht nicht zufällig. Sie wächst aus Entscheidungen, aus Sichtbarkeit, aus Netzwerken und aus dem Mut, auch einmal einen Schritt ins kalte Wasser zu machen.
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Die Erfolgstipps: Was du von Bianka-Sybille Horstmann lernen kannst
In der Podcast-Folge 257 erfährst du praxisnahe und bewährte Tipps, wie du auch jenseits klassischer juristischer Karrierewege deinen nächsten Schritt angehst.
Hier meine wichtigsten Learnings aus dem Gespräch mit Bianka-Sybille Horstmann:
✅ Trau dich, auch ohne fertigen Masterplan Ja zu sagen. Nicht jede Entwicklung beginnt mit einer perfekten Strategie. Manchmal beginnt sie mit einer Frage und der Bereitschaft, Neues auszuprobieren.
✅ Verstehe einen Branchenwechsel nicht automatisch als Neustart bei null. Viele deiner Kompetenzen sind übertragbar. Gerade Funktionen wie Head of HR zeigen, wie wertvoll juristische Schnittstellen in anderen Bereichen sein können.
✅ Sichtbarkeit ist keine Eitelkeit, sondern berufliche Verantwortung. Wenn du nicht zeigst, wofür du stehst, können andere dich auch nicht in Verbindung mit deinen Themen wahrnehmen.
✅ Nutze Netzwerke bewusst – auch dann, wenn es Zeit und Energie kostet. Netzwerke zahlen sich langfristig aus, selbst wenn du abends manchmal lieber auf dem Sofa bleiben würdest.
✅ Steh für dich ein – und unterstütze andere Frauen mit.
Sisterhood beginnt oft in kleinen Situationen, hat aber eine große Wirkung auf Kultur, Sichtbarkeit und Karrierewege.
Weitere (Hör-)Tipps
- Bianka Horstmann: https://www.linkedin.com/in/bianka-sybille-horstmann-3843b1258/
- Folge 239: Vom Alleingang zum Netzwerk – Karriere-Insights von Marta Fandrey
- Folge 236: Zwischen Leadership, LinkedIn und Sabbatical mit LL.M.-Studium – Interview mit der Head of Legal Julia Theel
- Folge 213: Statt „Trial-and-Error“ jetzt strategisch und fokussiert das eigene Personal Branding als Anwältin erfolgreich vorantreiben – Interview mit Birgit Schneider
- Coaching-Angebote: https://anja-schaefer.eu/coaching/
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