Vor ein paar Tagen habe ich eine Nachricht auf LinkedIn bekommen, über die ich mich wirklich gefreut habe. Ein Kollege schrieb mir, dass sich unsere Wege auf dem Beck-Bewerbertag wieder kreuzen würden, dass er sich freue, mich wiederzusehen, und dass ich mit meinen Vorträgen die Latte immer so hoch lege. Ich habe herzlich gelächelt – und dann darüber nachgedacht, was diese Nachricht eigentlich beschreibt. Denn ich bin mir ziemlich sicher: Er hat sich nicht in erster Linie an mein damaliges Vortragsthema erinnert, sondern an mich, an meine Art und an das, was er mit mir verbindet. Genau das ist für mich Networking mit Persönlichkeit.
In meinem Arbeitsalltag als Karriere-Coach erlebe ich allerdings oft etwas anderes. Die meisten Juristinnen, die ich im Bootcamp oder im 1:1 begleite, netzwerken am Anfang fast ausschließlich über ihre Expertise. Sie sprechen über Fachthemen, ihre Position, ihre Berufspraxis oder ein Projekt. Das ist nicht falsch. Aber es ist oft zu wenig. Denn genau dort liegt der Unterschied zwischen Kontakten, die oberflächlich bleiben, und Verbindungen, die wirklich tragen. In diesem Blogartikel zeige ich dir deshalb, warum Networking mit Persönlichkeit der stärkste Hebel für tragfähige Beziehungen ist, was dich deine Zurückhaltung wirklich kostet und wie du Schritt für Schritt sichtbarer machen kannst, wer du bist.
Der Denkfehler, der dein Networking ausbremst
Wenn Juristinnen mir erzählen, dass ihr Netzwerk nicht die Ergebnisse bringt, die sie sich wünschen, frage ich meist: Was zeigst du von dir, wenn du netzwerkst? Die Antwort ist fast immer ähnlich: das Fachthema, die aktuelle Position, vielleicht noch ein spannendes Projekt. Also das Was – deine Expertise, dein Know-how und das, was auch im Lebenslauf oder auf LinkedIn steht.
Das Problem ist nicht, dass diese Informationen falsch wären. Das Problem ist, dass sie allein nicht ausreichen. Der Denkfehler liegt darin, Networking als Kompetenzpräsentation zu verstehen. Als ginge es beim Netzwerken vor allem darum, den richtigen Menschen zu zeigen, was du kannst. Im Kern geht es aber um etwas anderes: darum, dass andere erleben, wer du bist und wie du bist. Damit dein Gegenüber mit dir eine Emotion, ein Bild oder ein Erlebnis verbindet. Damit du nahbar, erlebbar und fühlbar wirst. Und genau das sorgt dafür, dass du anders und länger in Erinnerung bleibst.
Ich sehe das regelmäßig im Bootcamp und in meinen Coachings: Kolleginnen, die fachlich stark sind, die genau wissen, was sie können – und die trotzdem das Gefühl haben, intern in der Kanzlei oder im Unternehmen, extern gegenüber Mandant:innen oder digital auf LinkedIn noch nicht ausreichend sichtbar zu sein. Nicht, weil ihnen tatsächlich Sichtbarkeit fehlt. Sondern weil sie zu wenig Persönlichkeit zeigen und es zu wenig menscheln lassen. Dabei ist uns Frauen eine gute Beziehung zum Gegenüber meist enorm wichtig. Genau deshalb ist Networking mit Persönlichkeit nicht nur wirkungsvoller, sondern oft auch viel stimmiger.

„Dabei geht es im Kern um etwas anderes: die anderen erleben lassen, wer bzw. WIE du bist.“
3 Insights, warum Networking mit Persönlichkeit den Unterschied macht
Damit du nicht nur verstehst, dass Persönlichkeit beim Netzwerken entscheidend ist, sondern auch warum, zeige ich dir jetzt drei zentrale Insights aus meiner Coaching- und Bootcamp-Praxis, die deinen Blick auf Networking nachhaltig verändern können.
1. Networking mit Persönlichkeit: Warum deine Persönlichkeit kein Bonus, sondern der Kern ist
Es gibt eine These, die ich immer wieder in meiner Arbeit erlebe und die sich auch in der Forschung bestätigt: Wer viele Facetten seiner Persönlichkeit zeigt, baut größere und vielfältigere Netzwerke auf. Nicht, weil diese Person lauter ist oder mehr postet. Sondern weil sie mehr Anknüpfungspunkte bietet. Weil andere beim Gespräch nicht nur die Juristin sehen, sondern den Menschen dahinter.
Deine Identität als Anwältin oder Unternehmensjuristin besteht eben nicht nur aus Fachgebiet, Berufstitel und Berufserfahrung. Dazu gehören auch deine Werte, deine Interessen, deine Leidenschaften, deine Geschichte, deine Herkunft und deine Überzeugungen. Kurz gesagt: alles, was dich als Mensch und Juristin ausmacht. Und genau daraus entstehen tragfähige Verbindungen. Mein Satz dazu ist seit langem: Dein Know-how als Juristin ist kopierbar – deine Persönlichkeit ist es nicht.
Wenn du das verstehst, verändert sich dein gesamter Blick auf Networking. Dann wird Networking mit Persönlichkeit nicht mehr zu etwas, das „zusätzlich“ dazukommen muss. Dann wird es zum Kern deiner Verbindung mit anderen.
2. Warum deine Zurückhaltung dich mehr kostet, als du denkst
An dieser Stelle lohnt sich ein ehrlicher Blick auf eine Frage, die im Coaching immer wieder auftaucht: Warum halten Juristinnen Teile ihrer Persönlichkeit beim Netzwerken zurück? Die Antworten sind oft ähnlich: „Das ist doch privat.“ – „Das interessiert doch niemanden.“ – „Ich möchte professionell wirken.“ All diese Antworten klingen zunächst plausibel – und führen doch zum selben Ergebnis: Kontakte bleiben oberflächlich.
Ein sehr schönes Beispiel dafür ist Alexandra Maximini, eine Teilnehmerin meines Bootcamps. Sie hat mir einmal erzählt, dass sie früher beim Networking fast ausschließlich über ihre Tätigkeit als Unternehmensjuristin im HR-Bereich und über das Arbeitsrecht gesprochen hat. Was sie kaum eingebracht hat: dass sie leidenschaftliche Taucherin ist und jede freie Minute in diesen Sport investiert. Erst durch das Juristinnen machen Karriere!“ Bootcamp wurde ihr bewusst, dass sie mehr von sich zeigen darf als nur ihr Fachgebiet. Sie begann, in Gesprächen beiläufig auch über ihre Leidenschaft fürs Tauchen zu sprechen – und bemerkte sehr schnell, wie sich die Gespräche veränderten. Plötzlich entstanden andere Verbindungen, Gespräche gingen tiefer und sie blieb auf eine ganz andere Weise in Erinnerung.
Dazu kommt noch etwas anderes: Zurückhalten kostet Energie. Wer bestimmte Facetten seiner Persönlichkeit aktiv verbirgt, investiert permanent Kraft in diese Zurückhaltung. Das ist anstrengend. Und es verhindert, dass echtes Vertrauen entsteht. Es geht mir dabei nie darum, alles preiszugeben. Du allein entscheidest, was persönlich ist und was privat bleibt. Aber diese Entscheidung bewusst zu treffen, ist etwas völlig anderes, als aus Unsicherheit oder Gewohnheit immer denselben kleinen Ausschnitt von dir zu zeigen. Genau deshalb hat Networking mit Persönlichkeit auch so viel mit Selbstführung zu tun.
„Du allein entscheidest, was persönlich ist und was privat bleibt. Aber es lohnt sich, diese Entscheidung bewusst zu treffen.“
3. Networking mit Persönlichkeit funktioniert über Haltung, nicht über Technik
Ein Persönlichkeitsprofil ist ein wunderbarer Ausgangspunkt, um dir deiner eigenen Facetten bewusster zu werden. Es hilft dir zu visualisieren, was dich ausmacht, was davon bereits sichtbar ist und was du gern stärker einbringen möchtest. Aber Networking mit Persönlichkeit ist am Ende mehr als ein Tool. Es ist eine Haltung.
Diese Haltung lautet: Ich bin mehr als mein Fachgebiet. Ich bringe etwas Individuelles und Unverwechselbares mit. Und ich zeige das – nicht, damit andere mich mögen, sondern weil echte Verbindungen nur dort entstehen, wo ich mich wirklich zeige. Das klingt einfach, braucht aber gerade im juristischen Umfeld oft Mut. Denn dort wird Zurückhaltung schnell mit Professionalität verwechselt.
Genau deshalb hat mich auch die eingangs erwähnte LinkedIn-Nachricht so berührt. Sie war für mich der beste Beweis, dass Wirkung nicht nur über Inhalte entsteht, sondern auch darüber, wie du als Mensch in Erinnerung bleibst. Und das ist keine Technikfrage. Das ist eine Frage von Haltung und Mut.

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Drei konkrete Schritte für dein Persönlichkeitsprofil
Damit das Ganze nicht abstrakt bleibt, möchte ich dir drei konkrete Stellschrauben mitgeben.
1. Erstelle dein Persönlichkeitsprofil.
Nicht für andere, sondern für dich. Alles, was du brauchst, sind 30 bis 60 Minuten und zwei Blatt Papier. Entwickle eine Identitätslandkarte, indem du persönliche Facetten aus mehreren Lebensbereichen sammelst, sichtbar machst und miteinander verbindest.
2. Identifiziere eine Facette, die du bisher zu selten zeigst.
Welche Eigenschaft, Erfahrung oder Leidenschaft macht dich jenseits deines Fachgebiets besonders? Und in welcher Situation würde es gut passen, genau das bewusster einzubringen?
3. Führe dein nächstes Networking-Gespräch anders.
Bring bewusst eine persönliche Facette ein – eine Erfahrung, ein Interesse oder eine Überzeugung. Beobachte, wie sich das Gespräch verändert und wie dein Gegenüber darauf reagiert. Genau so beginnt Networking mit Persönlichkeit in der Praxis.
„Dein Know-how als Juristin ist kopierbar. Deine Persönlichkeit ist es nicht. Wer das versteht und lebt, netzwerkt anders – und besser.“

Fazit: Du bist mehr als dein Fachgebiet
Das Wichtigste aus dieser Folge ist für mich: Du verschenkst einen enormen Hebel, wenn du beim Netzwerken nur deine Fachexpertise zeigst. Denn tragfähige Beziehungen entstehen nicht dort, wo andere nur sehen, was du kannst, sondern dort, wo sie erleben, wer du bist. Genau deshalb ist Networking mit Persönlichkeit kein nettes Extra, sondern ein strategischer Erfolgsfaktor.
Je mehr Facetten deiner Persönlichkeit du sichtbar machst, desto mehr Anknüpfungspunkte bietest du. Je bewusster du entscheidest, was persönlich ist und was privat bleibt, desto klarer und entspannter kannst du dich im Kontakt mit anderen zeigen. Und je stärker du dein Persönlichkeitsprofil kennst, desto leichter wird es dir fallen, genau diese Facetten auch wirklich einzubringen. Networking mit Persönlichkeit ist deshalb keine Frage der Technik. Es ist eine Frage von Mut, Bewusstheit und Haltung.
Mein Umsetzungstipp für dich: Reserviere dir in dieser Woche eine Stunde in deinem Kalender und erstelle dein Persönlichkeitsprofil. Nicht für andere, sondern für dich. Denn damit legst du die Grundlage dafür, dass dein Networking persönlicher, leichter und wirksamer wird.
Du machst den Unterschied. Wenn nicht du, wer dann?
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Die Erfolgstipps: So gelingt dir Networking mit Persönlichkeit im Alltag
In der Podcast-Folge 256 erfährst du praxisnahe und bewährte Tipps, wie du beim Netzwerken nicht nur deine Expertise, sondern auch dich selbst sichtbar machst.
Hier meine wichtigsten Tipps für dich:
✅ Verwechsle Networking nicht mit Selbstpräsentation deiner Kompetenz. Fachwissen ist wichtig – aber Beziehungen entstehen dort, wo du mehr von dir zeigst als nur deinen Titel und dein Rechtsgebiet.
✅ Mach dir bewusst, was deine Zurückhaltung dich kostet. Weniger Persönlichkeit bedeutet meist weniger Vertrauen, weniger Tiefe und mehr Energieaufwand. Genau deshalb lohnt es sich, bewusst zu entscheiden, was du zeigen willst.
✅ Nutze dein Persönlichkeitsprofil als praktischen Startpunkt. Wenn du weißt, welche Facetten dich ausmachen, kannst du viel gezielter entscheiden, wie du dich in Gesprächen, auf LinkedIn oder auf Events zeigst. So wird Networking mit Persönlichkeit greifbar und alltagstauglich.
Weitere (Hör-)Tipps
- Folge 218: Persönlich oder privat? Wie du als Juristin dein Personal Branding bewusst steuerst
- Folge 204: Mutig werden, sein und bleiben beim Personal Branding mit LinkedIn (Alexandra Maximini)
- Blogbeitrag Networking als Führungsqualität: Welcher Netzwerktyp bist du?
- Blogbeitrag: Persönlichkeit und Networking als Juristin: 5 Impulse, wie deine Persönlichkeit zum stärksten Hebel im Netzwerk wird
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