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250: Partnerin in einer Boutique statt Großkanzlei – Dr. Hannah Rubin über mutige Wechsel, strategisches Networking und Karriere mit Familie

250 Folgen „Juristinnen machen Karriere!“ Podcast – was für ein Meilenstein. Für diese besondere Jubiläumsfolge habe ich mir eine Gästin eingeladen, die zeigt, was möglich ist, wenn du deine Laufbahn aktiv gestaltest: Dr. Hannah Rubin, Rechtsanwältin, Fachanwältin für Vergaberecht und heute Partnerin in einer Boutique-Kanzlei in Berlin. Ihr Weg führte sie von der Großkanzlei Linklaters über Promotion, Krisenmandate im Beihilferecht und bewusste berufliche Wechsel hin zu genau dem Setting, das zu ihr, ihrer Familie und ihren Werten passt.

In unserem Gespräch geht es darum, warum sie sich ganz bewusst gegen den klassischen Großkanzlei-Track und für die Rolle als Partnerin in einer Boutique entschieden hat, welche Chancen in mutigen Wechseln stecken, wie strategisches Networking dabei hilft und wie sie eine anspruchsvolle Karriere mit drei Kindern und gelebter religiöser Identität verbindet.

 

Vom Public Law in der Großkanzlei zur Kanzlei mit Fokus auf den öffentlichen Sektor

Hannahs Weg beginnt klassisch: Studium in Konstanz und Freiburg, ein Auslandsjahr in Israel, Referendariat in Berlin mit Schwerpunkt im öffentlichen Recht.

Nach dem Zweiten Examen entscheidet sie sich zunächst gegen den direkten Berufseinstieg – und für die Promotion im Verfassungsrecht zum Thema Religionsfreiheit. Parallel dazu zieht sie das öffentliche Wirtschaftsrecht immer stärker an: Bereits im Referendariat entdeckt sie, wie spannend es ist, öffentliches Recht im wirtschaftsrechtlichen Kontext zu bearbeiten.

Noch während der Promotionszeit wechselt Hannah als wissenschaftliche Mitarbeiterin zu Linklaters nach Berlin, später wird sie dort Associate im Bereich Public Law. Dort arbeitet sie an Themen, die ganz Deutschland und Europa bewegen: Finanzkrise, Spätfolgen der Krise, Corona-Wirtschaftshilfen – immer wieder aus der Perspektive des europäischen Beihilferechts.

Diese Zeit beschreibt sie als fachlich extrem lehrreich: Sie lernt strategische Fragestellungen kennen, bearbeitet komplexe Mandate und ist immer wieder an der Schnittstelle von Recht, Politik und Wirtschaft unterwegs. Gleichzeitig wächst in ihr das Bedürfnis, „richtig Anwältin“ zu sein – Mandate von Anfang bis Ende zu begleiten, mehr Verantwortung zu übernehmen und selbst die Gespräche rund um das Mandat zu führen, statt nur einzelne Ausschnitte zu bearbeiten.

Dazu kommt die Frage nach dem Lebensmodell: Karriere in der Großkanzlei ist möglich, aber für sie schwer mit dem Wunsch nach Familie und persönlicher Gestaltung vereinbar – zumal sie durch zwei Elternzeiten und die Promotion etwas älter ist als viele Kolleg:innen.

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Ich wollte auch mal ein Mandat von vorne bis hinten begleiten und nicht einfach Vermerke schreiben oder sehr spezielle Fragen begutachten.

Dr. Hannah Rubin

Partnerin in einer Boutique: Warum Hannah die Großkanzlei verlassen hat

An diesem Punkt trifft Hannah eine Entscheidung, die viele als „radikal“ bezeichnen würden – die für sie aber konsequent ist: Sie wechselt von der internationalen Großkanzlei in eine kleinere Einheit mit klarer Spezialisierung auf den öffentlichen Sektor, die Boutique-Kanzlei Eichler Kern Klein. Als sie dort 2020 beginnt, gibt es drei Partner und sie ist die erste angestellte Anwältin.

Was sie dort sucht und findet:

  • Mandatsverantwortung von A bis Z – statt nur Ausschnitte beizutragen
  • unternehmerische Mitgestaltung – die wirtschaftliche Seite der Kanzlei verstehen und mitdenken
  • ein realistisches Lebensmodell – Karriereschritte, die mit Familie vereinbar sind

Von Beginn an ist klar: Sie kommt mit dem Ziel, Partnerin in einer Boutique zu werden – nicht einfach als angestellte Anwältin, sondern mit der Perspektive, ihr „eigenes“ Business und ihren eigenen Track aufzubauen.

Gleichzeitig weiß sie, dass die Phase auf dem Weg zur Partnerschaft fordernd werden wird:

  • Du bist Teil eines Teams – und arbeitest mit deinen Partnern gemeinsam am Erfolg der Kanzlei.
  • In dem Moment, in dem du über deine Aufnahme in die Partnerschaft verhandelst, sitzt du ihnen gegenüber.

Genau für diese Phase sucht sich Hannah bewusst Unterstützung – und entscheidet sich 2021 für mein damaliges Vorgängerprogramm des „Juristinnen machen Karriere!“-Bootcamps.

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Ich habe gelernt, mir die Situationen rauszusuchen, in denen ich richtig Spaß am Netzwerken habe.

Dr. Hannah Rubin

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2026 findet zum sechsten Mal der „Juristinnennetzwerkentag“ als das virtuelle Networking-Event für, von und mit Juristinnen statt. 

Themenschwerpunkt ist am 17. April 2026: „THE STAGE IS YOURS – Personal Branding durch Vorträge …

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Strategisches Networking: Warum Hannah auf Gruppe statt Einzelcoaching gesetzt hat

Als wir uns 2021 das erste Mal begegnen – bei einem meiner Networking-Trainingsabende – ist Hannah gerade in der Boutique gestartet und steht am Anfang ihres Weges zur Counsel und später zur Partnerin. Sie weiß: Fachlich ist sie stark, aber für den nächsten Schritt braucht sie mehr als juristische Exzellenz.

Sie sucht:

  • Sparring für Fragen rund um Partnerschaftsverhandlungen („Was kann ich verlangen? Was ist üblich?“),
  • einen Raum für ehrliche Reflexion jenseits der eigenen Kanzlei,
  • und eine Gruppe von Juristinnen, die vor ähnlichen Entscheidungen stehen.

Deshalb entscheidet sie sich bewusst für ein Gruppenprogramm – und nicht für ein 1:1-Coaching. Im Interview beschreibt sie drei Dinge, die für sie den Unterschied gemacht haben:

  1. Vielfalt der Lebensläufe
    Zu sehen, wie unterschiedlich Karrieren verlaufen können, nimmt enormen Druck: Nicht der eine „perfekte“ Weg zählt, sondern der, der zu dir passt.
  2. Motivation durch Verbindlichkeit
    Feste Termine, gegenseitige Updates, gemeinsames Dranbleiben – all das sorgt dafür, dass du nicht nach zwei Wochen zurück in den Alltag rutschst, sondern deine Themen wirklich angehst.
  3. Netzwerk auf Augenhöhe
    Aus Mit-Teilnehmerinnen werden Sparringspartnerinnen, Mentorinnen, Kontakte auf Dauer. Hannah sagt heute: Sie hätte jederzeit das Gefühl, ehemalige Bootcamp-Kolleginnen anrufen und ein Thema vertiefen zu können.

Ein zentrales Learning aus dieser Zeit: Hannah entdeckt, wie viel Freude ihr Netzwerken machen kann, wenn sie es auf ihre Art gestaltet. Als eher introvertierter Mensch sind Massenveranstaltungen nicht ihr Ding – aber kleinere Formate, vertiefte Gespräche und das gezielte Zusammenbringen von Menschen schon. Genau hier liegt heute eine ihrer Stärken: Kontakte so zu verknüpfen, dass alle Beteiligten profitieren.

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Ich sehe auf jeden Fall, dass ich extrem viel selbstsicherer geworden bin über die Zeit.

Dr. Hannah Rubin

Partnerin in einer Boutique: Karriere mit Familie und klaren Grenzen

Besonders beeindruckt hat mich an Hannahs Weg, wie konsequent sie ihre beruflichen Ziele mit ihren privaten Werten in Einklang bringt. Sie ist Mutter von drei Kindern – ihr drittes Kind kommt in der Phase, in der sie Counsel wird und kurz vor ihrer Ernennung zur Partnerin steht.

Sie sagt klar:

  • Sie wird nicht auf Familie verzichten, um Karriere zu machen.
  • Es soll „alles zusammengehen“ – auch wenn das anstrengend ist.

Ein wichtiger Grund, warum sie bei Eichler Kern Klein geblieben ist: Alle Partner haben Kinder, alle kennen die Realität von Vereinbarkeit – statt sie nur auf Folien zu schreiben.

Hinzu kommt ein weiterer Aspekt ihrer Identität: Hannah ist traditionelle, praktizierende Jüdin. Das bedeutet u. a.:

  • Sie hält den Sabbat und bestimmte Feiertage ein,
  • sie ist in diesen Zeiten nicht erreichbar,
  • und hat ganz klare, nicht verhandelbare Rahmenbedingungen (z. B. kein Arbeiten ab Freitagnachmittag im Winter, koscheres Essen).

Was mich besonders beeindruckt: Sie kommuniziert diese Punkte von Anfang an – bereits im Referendariat, später in Bewerbungsgesprächen und in der Kanzlei. Sie sagt offen: Das ist meine Identität, das gehört zu mir, und daran wird sich nichts ändern.

Ihre Erfahrung:

  • Wer klar ist, wird ernst genommen.
  • Wer weiß, was nicht verhandelbar ist, kann dazu stehen – und bekommt Respekt.

Wenn du selbst Aspekte in deinem Leben hast, die du nicht „nebenbei“ managen kannst (Familie, Pflege, Ehrenamt, gesundheitliche Themen, religiöse Praxis), ist Hannahs Weg ein starkes Beispiel: Du darfst mit Klarheit auftreten – und dir bewusst ein Umfeld suchen, das dazu passt.


Partnerin in einer Boutique: Selbstbewusst verhandeln und dranzubleiben

Hannah sagt im Rückblick: Sie war sich immer sicher, dass sie Partnerin werden würde – die Frage war eher: Zu welchen Konditionen? Mit welcher Positionierung? Mit welchem Standing im Partnerteam?

Die größte Herausforderung war für sie nicht ein einzelner Moment, sondern das Dranbleiben:

  • immer wieder Themen anzusprechen,
  • eigene Vorstellungen zu vertreten,
  • in Verhandlungen standhaft zu bleiben,
  • auch dann, wenn es unbequem wurde.

Heute ist sie nicht nur Partnerin in einer Boutique, sondern auch deutlich selbstsicherer, klarer in ihrer Positionierung und aktiver darin, andere Kolleginnen zu unterstützen – z. B. durch Mentoring oder beim Aufbau eines kanzleiübergreifenden Frauennetzwerks mit Partnerkanzleien in anderen Städten.

Ihr Weg zeigt: Partnerschaft ist nicht nur eine Frage von Titel und Status, sondern auch von innerer Haltung – und davon, wie du dich im Prozess dahin positionierst.


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Fazit: Gestalte deine Karriere – auf deine Weise

Hannahs Geschichte zeigt eindrucksvoll: Karriere ist kein Zufall. Es braucht Klarheit über die eigenen Ziele, Mut, eingetretene Pfade zu verlassen, und die Bereitschaft, Verantwortung für die eigenen Entscheidungen zu übernehmen.

Ob du in einer Großkanzlei, im Unternehmen, im öffentlichen Dienst oder – vielleicht schon bald – als Partnerin in einer Boutique unterwegs bist: Du hast mehr Gestaltungsspielraum, als es sich im Alltag manchmal anfühlt.

Mein Impuls zum Schluss:

  • Frag dich, wo du in drei bis fünf Jahren stehen möchtest.
  • Überlege, welche eine Entscheidung du dieses Jahr treffen kannst, um diesem Bild näherzukommen.
  • Such dir Menschen, die dich auf diesem Weg unterstützen – in deiner Kanzlei, in Programmen wie dem „Juristinnen machen Karriere!“-Bootcamp oder bei Formaten wie dem JuristinnennetzwerkenTAG.

Du machst den Unterschied. Wenn nicht du, wer dann?


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Die Erfolgstipps: Was du aus Hannahs Weg mitnehmen kannst

Zum Abschluss fasse ich dir drei zentrale Learnings aus der Podcastfolge 250 zusammen – als Inspiration für deine nächste Karrierestufe:

Triff bewusste Entscheidungen – nicht nur „gegen“ etwas, sondern „für“ etwas. Hannah ist nicht aus Frust aus der Großkanzlei gegangen, sondern mit einem klaren Bild davon, was sie stattdessen wollte: Mandatsverantwortung, unternehmerische Mitgestaltung, ein passendes Lebensmodell und die Perspektive, Partnerin in einer Boutique zu werden. Klarheit über dein „Wofür“ macht mutige Wechsel leichter.

Suche dir ein Umfeld, das zu deiner Lebensrealität passt. Drei Kinder, Partnerschaft in einer Kanzlei und gelebte religiöse Identität – all das funktioniert, weil Hannah sich ein Arbeitsumfeld gesucht hat, in dem Vereinbarkeit und individuelle Bedürfnisse nicht als „Störung“, sondern als Realität gesehen werden. Je klarer du deine nicht verhandelbaren Punkte kennst, desto gezielter kannst du passende Arbeitgeber:innen oder Mandatskonstellationen wählen.

Nutze Gruppenformate und Netzwerke als Karriere-Booster. Das Bootcamp war für Hannah nicht nur fachlicher Input, sondern auch ein Netzwerk aus Juristinnen, mit denen sie sich heute noch austauschen kann. Gerade in Umbruchsituationen ist es Gold wert, nicht alleine zu sein – sondern Sparring, Feedback und Vorbilder zu haben, die zeigen: Es gibt viele Wege nach oben.

 


Weitere (Hör-)Tipps


 Der „Juristinnen machen Karriere!“ -Tipp

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Entweder 
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