Du klappst abends den Laptop zu. Objektiv war es ein guter Tag: Akten bearbeitet, Fristen gehalten, vielleicht sogar ein Lob aus dem Team. Und trotzdem ist da dieser Gedanke: „So kann es doch nicht die nächsten Jahre weitergehen.“ Nicht, weil dein Job „schlecht“ wäre – sondern weil sich etwas verändert hat. Genau über diese Situation spreche ich in der Podcastfolge 251 des Juristinnen machen Karriere!-Podcasts: Passt dein Job noch zu dir – und wie findest du den Job, der zu dir passt?
In meinen Coachings erlebe ich immer häufiger Juristinnen mit einigen Jahren Berufserfahrung, die fachlich anerkannt und erfolgreich sind – und trotzdem innerlich spüren: „Das kann es noch nicht gewesen sein.“ Oft zeigen sich erste Hinweise in Form von Dauerstress oder Erschöpfung, innerer Distanz zur eigenen Arbeit, fehlender Sinnhaftigkeit, einer unpassenden Kanzleikultur oder dem Gefühl, nur noch zu funktionieren. In diesem Blogartikel zeige ich dir, warum das kein Einzelfall ist, weshalb Klarheit über deine Werte der Schlüssel ist und welche Schritte dir helfen, deine Karriere bewusst auf einen Job, der zu dir passt, auszurichten – ohne vorschnell zu kündigen.
Warum viele Juristinnen ihren Job erst spät hinterfragen
Wenn Juristinnen zu mir ins Coaching kommen, höre ich Sätze wie:
- „Eigentlich läuft alles gut – aber irgendetwas fehlt.“
- „Ich frage mich immer öfter, ob das wirklich mein Weg ist.“
- „Ich habe so viel investiert – kann ich überhaupt noch etwas ändern?“
Viele sind Ende 30, Anfang/Mitte 40 oder älter, fachlich stark, oft bereits in verantwortungsvollen Positionen. Auf dem Papier stimmt vieles:
- renommierte Kanzlei oder angesehenes Unternehmen
- gutes Gehalt
- fachlich spannende Themen
Und trotzdem fühlt es sich innerlich nicht mehr stimmig an.
Ein Grund, warum viele so spät umdenken: Am Anfang erfüllen wir häufig vor allem Erwartungen anderer – Eltern, Umfeld, Vorgesetzte, „die Branche“. Gute Noten, renommierte Arbeitgeber, Sicherheit, Status. Die eigenen Werte und Motive rutschen dabei leicht nach hinten. Die Folgen tauchen oft erst Jahre später auf: schleichende Unzufriedenheit, Erschöpfung, der Wunsch nach Veränderung oder Neuorientierung.
Die entscheidende Karrierefrage verschiebt sich dann von „Wie werde ich noch erfolgreicher?“ hin zu: „Was passt wirklich zu mir – und wie finde ich einen Job, der zu mir passt?“
„Die Frage lautet mit fortschreitender Berufserfahrung immer häufiger nicht mehr: Wovon lebst du, sondern wofür?“

Ein besonders wertvoller Impuls, wenn du dich tiefer mit deiner beruflichen Neuorientierung beschäftigen möchtest, ist mein Interview mit Bestseller-Autorin Angelika Gulder in Podcastfolge 50. Darin sprechen wir über ihr Buch „Finde den Job, der dich glücklich macht“, das inzwischen zu meinen absoluten Empfehlungen für Juristinnen in Umbruchphasen gehört. Die Folge ist übrigens die dritterfolgreichste Episode meines Podcasts – und das aus gutem Grund: Du bekommst viele konkrete Übungen und Denkanstöße an die Hand, die dir helfen, Schritt für Schritt deinen ganz persönlichen Job, der zu dir passt, zu finden. sowohl die Folge als auch das Buch lege ich dir sehr ans Herz.
Warum ein Job, der zu dir passt, bei deinen Werten beginnt
Ich habe diese Phase selbst erlebt: Als Anwältin in einer Kanzlei in NRW war fachlich vieles in Ordnung – und trotzdem passte der Rahmen irgendwann nicht mehr. Spätestens, als klar war, dass es keinen Standort in Berlin geben würde, musste ich mich mit der Frage auseinandersetzen: „Was will ich eigentlich selbst?“
Mein wichtigstes Learning aus dieser Zeit – und aus vielen Coachings:
Traumjobs werden selten gefunden, sie werden aktiv gestaltet. Und zwar auf Basis deiner Werte, Motive und deines persönlichen „Warum“.
Drei Denkfehler begegnen mir in der Arbeit mit Juristinnen immer wieder:
- „Ich muss nur die richtige Stelle finden.“
Viele suchen zuerst im Außen: anderer Arbeitgeber, neue Stadt, anderes Rechtsgebiet. Das kann helfen – muss es aber nicht. Wenn du dein Inneres nicht geklärt hast, wiederholen sich Muster. Häufig liegt der Schlüssel weniger im Arbeitsmarkt als darin, wie gut du dich selbst kennst. - „Für Selbstreflexion habe ich jetzt keine Zeit.“
Gerade in Phasen hoher Belastung klingt Reflexion nach „Luxus“. In Wahrheit ist sie vorbeugender Gesundheitsschutz: Wer sich früh mit den eigenen Werten beschäftigt, trifft bessere Entscheidungen – und findet eher einen Job, der zu dir passt, statt in Richtung Überlastung zu laufen. - „Ich müsste doch eigentlich genau wissen, was ich will.“
Viele glauben, sie seien mit dieser Unsicherheit allein. Das Gegenteil ist der Fall: Nicht zu wissen, was du willst, ist normal – vor allem in Umbruchphasen. Es gibt nicht den einen „richtigen“ Weg, aber sehr wohl Strukturen und Übungen, mit denen du Klarheit entwickeln kannst.
Genau dazu stelle ich dir jetzt drei konkrete Übungen vor – direkt aus meiner Coachingpraxis und inspiriert von Karriereforschung und Kolleginnen wie Angelika Gulder, deren Bestseller „Finde den Job, der dich glücklich macht“ ich in der Podcastfolge ausdrücklich empfehle.

„Klarheit über deine Motive, deine Werte, dein Warum ist der erste Schritt in Richtung berufliche Erfüllung und (innere) Zufriedenheit.“
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Drei Übungen, mit denen du dein berufliches Warum klärst
Übung 1: Zurück zu deinen echten Interessen
Denk an die Zeit vor deinem 20. Lebensjahr:
- Was hat dir damals wirklich Spaß gemacht?
- Wobei hast du die Zeit vergessen?
Diese Interessen bleiben erstaunlich stabil und sind wertvolle Hinweise darauf, was dir heute noch Sinn gibt. Bei mir war es zum Beispiel schon früh das „Schule spielen“, Nachhilfe geben, Wissen weitergeben. Heute tue ich genau das – nur eben mit Juristinnen und den Themen Personal Branding, Selbstmarketing und Networking.
Notiere 3-5 Aktivitäten von damals und markiere, was du davon – in abgewandelter Form – in deinem heutigen Berufsleben (wieder) stärker integrieren möchtest.
Übung 2: Fremd- und Selbstbild abgleichen
Bitte drei bis fünf Menschen, die dich gut kennen – beruflich oder privat –, dir schriftlich zu beschreiben:
- Welche Stärken sehen sie bei dir?
- Welche Eigenschaften schätzen sie besonders?
Mach dann dasselbe für dich selbst und lege beide Perspektiven übereinander:
- Wo gibt es Übereinstimmungen?
- Welche Stärken siehst du bei dir, die andere (noch) nicht wahrnehmen?
- Welche Stärken sehen andere bei dir, die du selbst bislang unterschätzt hast?
Diese Übung setze ich sowohl im 1:1-Coaching als auch im „Juristinnen machen Karriere! Bootcamp„ ein – und sie bringt jedes Mal enorme Klarheit darüber, was dich ausmacht und was du in einem Job, der zu dir passt, unbedingt leben möchtest. Wenn du dir bei diesen Fragen Begleitung wünschst, sei gern in der nächsten Runde des 12-wöchigen Online-Gruppenprogramms, meinem Bootcamp mit dabei oder vereinbare einen unverbindlichen Karriere-Info-Call mit mir.
Alternativ stelle ich dir das Bootcamp gern auch beim nächsten Networking-Trainingsabend am 17. März vor. Von 19 bis 21 Uhr spreche ich über das Thema “Netzwerkpflege mit Strategie” und zeige dir u.a., wie du mit dem Bootcamp in deinem Netzwerk mit deiner Expertise sichtbar wirst und für dich relevante Kontakte weiterentwickelst.
Übung 3: Deine Werte mit dem Goldenen Kreis erkennen
Eine Struktur, die ich für das Thema „Jobwahl & Personal Branding“ besonders hilfreich finde, ist das Modell des sogenannten Goldenen Kreises von Simon Sinek aus seinem Buch „Frage immer erst: Warum“, das ich auf Juristinnen und das Thema Personal Branding angepasst habe.
Übertragen auf deine berufliche Identität unterscheidet der Goldene Kreis drei Ebenen:
- Was tust du?
Rechtsgebiet, Aufgabenbereich, Position – also deine Expertise. - Wie arbeitest du?
Deine Stärken, Arbeitsweise, Kompetenzen – deine Persönlichkeit. - Warum tust du, was du tust?
Deine Werte, Motive, der Sinn hinter deiner Arbeit – dein „Warum“.

Gerade Juristinnen können das Was meist sehr klar benennen, oft auch das Wie. Was deutlich seltener reflektiert wird, ist das Warum – dabei entscheidet genau das darüber, ob du langfristig zufrieden bist. Du wirst selten nur wegen deines Wissens eingestellt oder befördert, sondern vor allem wegen deiner Haltung, deiner Persönlichkeit und der Frage, wie gut du zur Kultur von Kanzlei oder Unternehmen passt.
Nimm dir Zeit und beantworte für jede Ebene schriftlich:
- Was mache ich konkret?
- Wie arbeite ich am liebsten?
- Warum ist mir genau diese Art von Tätigkeit wichtig?
So wird aus einem abstrakten Wunsch („Ich will einen Job, der zu mir passt.“) eine greifbare Orientierung.
„Du wirst nicht eingestellt oder befördert wegen deiner Fachkenntnisse, sondern wegen deiner Haltung, deiner Persönlichkeit und wie gut du zur Kultur passt. Denn das notwendige Wissen kann man immer beibringen.“
Wie du Schritt für Schritt den Job, der zu dir passt, gestaltest
Wichtiger Punkt: Nur weil sich dein aktueller Job nicht mehr stimmig anfühlt, musst du nicht morgen kündigen. Oft bewirken kleine Veränderungen im bestehenden Umfeld schon sehr viel – etwa:
- ein anderes Rechtsgebiet,
- neue Aufgaben,
- mehr Gestaltungsspielraum,
- flexible Arbeitsmodelle,
- oder zusätzliche, sinnstiftende Tätigkeiten (z. B. Ehrenamt, interne Projekte, Mentoring).
Erst wenn du merkst, dass selbst solche Anpassungen nicht ausreichen, ist ein größerer Schritt dran – zum Beispiel der Wechsel in eine andere Kanzlei, ein Unternehmen oder eine ganz andere Rolle.

Wenn du dein Netzwerk 2026 gezielt ausbauen und dich mit anderen Juristinnen vernetzen möchtest, ist der 6. JuristinnennetzwerkenTAG genau das Richtige für dich. Am 17. April 2026 (mit virtuellem Get-together am Vorabend) treffen sich Juristinnen aus ganz Deutschland zu einer Online-Konferenz rund um Karriere, Sichtbarkeit und Networking – bequem via Zoom, mit Impulsen, Austausch und vielen neuen Kontakten. Alle Infos zum Programm und die Buchungsmöglichkeit findest du hier.
Fazit: Klarheit über deine Werte ist der erste Schritt
Je mehr Juristinnen ich begleite, desto deutlicher wird mir: Es ist völlig normal, dass sich dein Blick auf Arbeit, Karriere und Erfolg im Laufe der Jahre verändert. Was zu Beginn deines Berufslebens richtig und attraktiv war – die große Kanzlei, das hohe Tempo, das Prestige, das sichere Gehalt – muss nicht automatisch das bleiben, was dich ein Berufsleben lang trägt. Entscheidend ist nicht, ob du „damals falsch abgebogen“ bist, sondern ob du heute bereit bist hinzuschauen: Passt das, was du jeden Tag tust, noch zu der Frau, die du inzwischen geworden bist?
Genau hier setzt deine Selbstreflexion an. Wenn du erste Warnsignale – Erschöpfung, innere Distanz, Sinnfragen – ernst nimmst, übernimmst du Verantwortung für dich und deine berufliche Zukunft. Klarheit entsteht dabei fast nie über Nacht, sondern Schritt für Schritt: indem du deine bisherigen Entscheidungen würdigst, deine Werte und Motive neu in den Blick nimmst und ehrlich prüfst, welche Rahmenbedingungen du brauchst, um langfristig gesund, wirksam und zufrieden arbeiten zu können. Die Übungen aus diesem Artikel sind dabei kein „nice to have“, sondern konkrete Werkzeuge, mit denen du dir selbst auf die Spur kommst.
Wichtig ist mir auch: Ein Jobwechsel ist nur eine von mehreren Optionen. Manchmal liegt die Lösung in einer fein justierten Veränderung im bestehenden Umfeld – einer neuen Aufgabe, einem anderen Team, mehr Gestaltungsspielraum, einem klareren Nein an bestimmten Stellen. Manchmal braucht es größere Schritte, weil du merkst, dass du in deiner jetzigen Struktur an Grenzen stößt. In beiden Fällen gilt: Je besser du dein Was, Wie und Warum kennst, desto leichter wird es dir fallen, Gespräche mit Vorgesetzten, potenziellen Arbeitgeber:innen oder auch mit dir selbst so zu führen, dass am Ende ein Job entsteht, der wirklich zu dir passt.
Mein Wunsch für dich ist, dass du dir erlaubst, diese Fragen nicht auf „später irgendwann“ zu verschieben. Nimm dir Zeit für deine eigene Standortbestimmung, hol dir – wenn du möchtest – Sparring von außen und fang mit kleinen, konkreten Schritten an. Du musst heute nicht wissen, wie dein gesamter Weg in fünf oder zehn Jahren aussieht. Es reicht, wenn du deinen nächsten Schritt bewusst wählst – in Richtung eines Berufslebens, das zu dir, deinen Werten und deinem Leben passt.
Du machst den Unterschied. Wenn nicht du, wer dann?
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Du willst dich 2026 als Expertin positionieren und/oder eine eigene, passgenaue Strategie für dein Personal Branding, Selbstmarketing oder Networking als Juristin entwickeln? Dann lass uns bei einem ➡️ kostenfreien, individuellen Karriere-Info-Call sprechen.
Wir nehmen 30 Minuten lang deine persönlichen Karrierethemen und Ziele in den Blick. Wir sprechen auch darüber, was dein konkreter nächster Schritt in Richtung Zielerreichung ist. So stellen wir sicher, dass du leicht in die Umsetzung kommst.
Die Erfolgstipps: So kommst du deinem Job, der zu dir passt, näher
In der Podcast-Folge 251 erfährst du praxisnahe und bewährte Tipps, wie du erste Warnsignale ernst nimmst, deine Werte klärst und Schritt für Schritt einen Job, der zu dir passt, gestaltest. Hier meine wichtigsten Tipps für dich:
✅ Nimm erste Signale ernst – statt sie jahrelang zu übergehen. Wenn du merkst, dass dich dein Job eher erschöpft als erfüllt, dass du innerlich auf Distanz gehst oder nur noch funktionierst, ist das kein Luxusproblem, sondern ein Warnsignal. Je früher du hinschaust, desto mehr Handlungsoptionen hast du – im bestehenden Umfeld oder auf dem Weg in einen Job, der zu dir passt.
✅ Starte deine Klarheit im Inneren, nicht mit Stellenanzeigen. Bevor du auf Jobportalen suchst, kläre deine Werte, Motive und Stärken: Was ist dir wirklich wichtig? Wofür willst du morgens aufstehen? Welche Rahmenbedingungen brauchst du? So wird aus der diffusen Frage „Passt mein Job noch zu mir?“ eine klare Orientierung für deinen nächsten Schritt.
✅ Nutze Tools wie den Goldenen Kreis gezielt für deine Karriereentscheidungen. Wenn du dein Was, Wie und Warum kennst, erkennst du schneller, welche Aufgaben, Rollen und Kulturen wirklich zu dir passen – und kannst Bewerbungsgespräche, interne Gespräche und dein eigenes Personal Branding viel bewusster gestalten. Das ist eine zentrale Grundlage für einen Job, der zu dir passt – fachlich und persönlich.
Weitere (Hör-)Tipps
- Folge 50: Wie du den Job findest, der dich glücklich macht (Interview mit Angelika Gulder)
- Folge 202: Persönliche Werte als die Wegmarken deiner Karriere als Juristin
- Folge 210: Neuer Job durch Personal Branding, der zu mir und meinen Werten passt (Interview mit Dr. Astrid Fleisch)
- Folge 250: Partnerin in einer Boutique statt Großkanzlei – Dr. Hannah Rubin über mutige Wechsel, strategisches Networking und Karriere mit Familie
Der „Juristinnen machen Karriere!“ Event-Tipp
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