JMK 268: Die Jura-Welt braucht gute Speakerinnen! – 5 Fehler, die dich als Juristin „auf der Bühne“ ausbremsen

268: Die Jura-Welt braucht gute Speakerinnen! – 5 Fehler, die dich als Juristin “auf der Bühne” ausbremsen

„Das Thema gibt es doch schon.“ „Dazu sprechen doch längst andere, die viel mehr Erfahrung haben.“ Oder: „Was kann ich da schon Neues erzählen?“ Genau diese Sätze höre ich immer wieder, wenn ich Kolleginnen frage, ob sie sich vorstellen können, einen Vortrag zu halten. Dabei ist bei vielen längst alles vorhanden: Know-how, Erfahrung, Fähigkeiten und Talent. Was häufig noch fehlt, ist der Mut, sich mit der eigenen Expertise auch wirklich vor ein Publikum zu stellen. Und manchmal fehlt schlicht das Handwerkszeug, denn wie Speaking funktioniert, lernen wir weder im Jurastudium noch im Referendariat.

Dabei kann dein Auftritt als Juristin als Speakerin ein enormer Karrierehebel sein. Egal ob du einen kurzen Impuls im Team hältst, auf einem Panel sitzt, einen Fachvortrag übernimmst oder eine Keynote sprichst: Die Bühne macht deine Expertise sichtbar, hörbar und erlebbar. Gleichzeitig erleben dich die Menschen als Persönlichkeit. Genau darin liegt ihre besondere Wirkung. In dieser Podcastfolge zeige ich dir deshalb, warum du dich überhaupt auf die Bühne trauen solltest, welche fünf Gründe Frauen dabei noch immer ausbremsen und welche fünf Fehler ich bei Speakerinnen besonders häufig beobachte.

 

Warum du als Juristin als Speakerin auf die Bühne gehörst

Die Bühne ist zunächst einmal nur ein weiteres Medium, über das du Menschen mit deiner Expertise erreichst. Sie kann groß oder klein sein, analog oder digital. Es kann ein Vortrag bei einer Fachveranstaltung sein, eine Begrüßungsrede, ein Panel, ein Webinar oder ein kurzer interner Impuls. Der Unterschied zu vielen anderen Formaten: Auf der Bühne wird nicht nur dein Wissen sichtbar, sondern auch du selbst.

Wissen ist heute fast überall verfügbar. Fachinformationen lassen sich nachlesen, googeln oder über KI-Tools abrufen. Was sich nicht kopieren lässt, ist deine Art, ein Thema einzuordnen, deine Erfahrung, deine Haltung und deine Persönlichkeit.

Deshalb gilt für mich: Talent und Expertise allein reichen nicht. Das Handwerk zu lernen, damit deine Expertise glänzen kann, ist das Geheimnis.

Und genau das macht Speaking auch zu einem wirkungsvollen Instrument für Akquise und Personal Branding. Je mehr du von deinem Wissen teilst, desto mehr Vertrauen kann entstehen. Du hilfst deinem Publikum, komplexe Themen zu verstehen, gibst Orientierung und zeigst ganz nebenbei, wie du an juristische Fragestellungen herangehst.

Aus Vertrauen entsteht Überzeugung – und daraus können Mandate, Anfragen, Kooperationen oder weitere Vortragsmöglichkeiten entstehen. Genau das habe ich selbst erlebt. Nach meiner Dissertation zum europäischen und polnischen Umweltrecht habe ich auf nationalen und internationalen Veranstaltungen gesprochen. Aus diesen Auftritten entstanden weitere Vortragsanfragen und auch konkrete Mandatsanfragen.

JMK 268: Die Jura-Welt braucht gute Speakerinnen! – 5 Fehler, die dich als Juristin „auf der Bühne“ ausbremsen

„Talent und Expertise allein reichen nicht. Das Handwerk zu lernen, damit deine Expertise glänzen kann, das ist das Geheimnis.“


5 Gründe, die dich als Juristin als Speakerin noch ausbremsen können

Wenn die Bühne so viel bewirken kann, stellt sich die Frage: Warum sehen wir auf Panels und in Veranstaltungsprogrammen noch immer vergleichsweise wenige Frauen? Aus meiner Erfahrung sind es vor allem diese fünf Gründe.

1. Du traust es dir noch nicht zu

Ein Auftritt vor Publikum ist ein Schritt aus der Komfortzone. Viele Frauen glauben, erst noch mehr Berufserfahrung, einen weiteren Titel oder den großen Beweis ihrer Expertise zu brauchen.

Dabei musst du keine Dissertation geschrieben haben, bevor du etwas zu sagen hast. Wenn du dich seit mehreren Jahren praktisch und fachlich intensiv mit einem Thema beschäftigst und Probleme in diesem Bereich bereits gelöst hast, bringst du etwas mit, das für andere wertvoll sein kann.

Frag dich einmal: Welches Thema hast du für dich, deine Mandant oder dein Unternehmen bereits erfolgreich gelöst?

Vielleicht steckt genau darin dein erstes Vortragsthema.

2. Du möchtest nicht im Mittelpunkt stehen

„Das macht man doch nicht.“ „Ich will mich nicht in den Vordergrund drängen.“ Solche Botschaften sitzen bei vielen Frauen erstaunlich tief. Dabei musst du nicht sofort mit einer großen Keynote beginnen.

Ich selbst habe nach meinem Berufseinstieg zunächst Lehraufträge übernommen und konnte vor Studierenden üben. Später habe ich als Vorsitzende der Regionalgruppe Münster des Deutschen Juristinnenbundes Veranstaltungen moderiert, begrüßt und Panels begleitet. Schritt für Schritt wurden die Bühnen größer – und mein Selbstvertrauen ebenfalls.

Mein Tipp deshalb: Fang klein an. Ein kurzer Impuls im Team, ein interner Vortrag oder eine Panelrunde in deinem Netzwerk kann eine hervorragende erste Bühne sein.

3. Negative Glaubenssätze halten dich zurück

„Andere können das besser.“ „Es gibt bereits genug Expert zu meinem Thema.“ „Warum sollte ausgerechnet ich gefragt werden?“

Wer sich ständig mit Menschen vergleicht, die bereits zwanzig Jahre länger im Geschäft sind, findet immer einen Grund, nicht anzufangen. Entscheidend ist deine eigene Überzeugung: Wenn ich an mich glaube, tun andere das auch.

Wenn du dich selbst als Expertin verstehst und entsprechend auftrittst, verändert das auch, wie dein Umfeld dich wahrnimmt.

4. Du machst zu wenig Marketing für dein Speaking

Wenn niemand weiß, dass du Vorträge hältst oder zu einem bestimmten Thema sprechen möchtest, kann dich auch niemand dafür anfragen. Das bedeutet nicht, dass du ständig „Werbung für dich“ machen musst. Stell dein Thema in den Vordergrund. Sprich über deine Expertise, deine Erfahrungen und deine Lösungen. Du vermarktest nicht dich als Person, sondern dein Wissen und deinen Beitrag zu einem Thema.

5. Du verkaufst dich unter Wert

Auch das sehe ich regelmäßig: Kolleginnen werden für einen Vortrag angefragt und verlangen kaum etwas oder treten von vornherein sehr zurückhaltend auf. Mach dir bewusst:

Ich verkaufe nicht mich, sondern meine Leistung zu einem Thema.

Dein Wissen, deine Vorbereitung, deine Erfahrung und deine Zeit haben einen Wert.

JMK 268: Die Jura-Welt braucht gute Speakerinnen! – 5 Fehler, die dich als Juristin „auf der Bühne“ ausbremsen

„Menschen mandatieren bzw. beauftragen Menschen.“


Die 5 größten Fehler einer Juristin als Speakerin

Mut allein reicht allerdings nicht. Denn ich erlebe auch sehr kompetente Kolleginnen, die sich auf die Bühne trauen – und dort trotzdem deutlich unter ihren Möglichkeiten bleiben.

Der wichtigste Perspektivwechsel lautet: Schau auf dein Publikum und weniger auf dich selbst. Genau daraus ergeben sich die fünf häufigsten Fehler.

Fehler 1: Du redest zu viel über dich

Der persönliche Anteil deines Vortrags sollte ungefähr 20 Prozent ausmachen. Die übrigen 80 Prozent gehören deinem Publikum und dem Mehrwert, den du ihm mitgeben möchtest.

Natürlich darfst und sollst du persönliche Erfahrungen erzählen. Aber immer mit der Frage: Was hat mein Publikum davon? Sprich deshalb häufiger in der Du- oder Sie-Sprache statt ausschließlich in der Ich-Sprache.

Fehler 2: Du bringst zu wenig echten Content

Dein Publikum weiß meistens bereits, dass dein Thema wichtig ist – sonst würde es nicht vor dir sitzen.

Jetzt will es wissen: Wie geht es? Was kann ich konkret tun? Welche Lösung gibt es?

Genau dort liegt dein Mehrwert. Bei juristischen Themen musst du nicht ständig etwas vollkommen Neues erfinden. Neu kann auch deine Perspektive sein, ein Praxisbeispiel, eine überraschende Verbindung oder die Art und Weise, wie du einen komplizierten Sachverhalt verständlich machst.

JMK 268: Die Jura-Welt braucht gute Speakerinnen! – 5 Fehler, die dich als Juristin „auf der Bühne“ ausbremsen

„Wenn ich an mich glaube, tun andere das auch.“

Fehler 3: Du verwechselst Professionalität mit Perfektion

Dieser Punkt liegt mir besonders am Herzen. Ein Vortrag wird selten langweilig, weil das Thema langweilig ist. Meist liegt es an der Art, wie es präsentiert wird. Sei auf der Bühne deshalb genauso, wie du sonst auch bist. Zeig Persönlichkeit, Humor und Haltung.

Gerade als Juristin als Speakerin musst du nicht besonders steif oder distanziert auftreten, um professionell zu wirken. Im Gegenteil: Deine Persönlichkeit macht dein Wissen unverwechselbar.

Fehler 4: Du liest ab oder überlädst deine Folien

Diesen Fehler habe ich selbst früher gemacht. Ich habe nicht abgelesen, aber ich habe mein Publikum mit viel zu viel Text auf meinen PowerPoint-Folien erschlagen. Das Problem dabei: Sobald dein Publikum liest, hört es dir nicht mehr richtig zu.

Deine Präsentation sollte dein Gesagtes unterstützen – nicht ersetzen.

Natürlich darf deine Vorbereitung ausführlich sein. Du kannst Notizen nutzen oder deine Inhalte detailliert vorbereiten. Aber auf der Bühne brauchst du den Kontakt zu deinem Publikum.

Speaking ist Bühnenarbeit. Du musst wahrnehmen, was im Raum passiert, auf Fragen reagieren können und im Zweifel auch einmal einen Punkt auslassen, wenn ein anderer Aspekt für dein Publikum gerade wichtiger ist.

Fehler 5: Du hast keine Botschaft am Ende

„Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.“

Diesen Satz habe auch ich früher oft verwendet. Heute weiß ich: Damit verschenke ich einen der wichtigsten Momente meines Vortrags. Dein Ende sollte noch einmal zusammenfassen, was dein Publikum mitnehmen soll – und idealerweise eine konkrete nächste Handlung anbieten.

Statt:

„Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.“

könnte dein letzter Satz beispielsweise lauten:

„Prüfen Sie Ihren nächsten Vertrag auf genau diese drei Punkte.“

Oder du fragst:

„Was ist die eine Sache, die du aus meinem Vortrag ausprobieren wirst?“

Damit bleibt deine Botschaft hängen und du hältst den Austausch mit deinem Publikum offen.


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Fazit: Die Jura-Welt braucht gute Speakerinnen

Die Bühne ist weit mehr als ein Ort, an dem du fachliches Wissen weitergibst. Sie ist eine Möglichkeit, deine Expertise sichtbar zu machen, Vertrauen aufzubauen, dich klar zu positionieren und neue berufliche Chancen entstehen zu lassen.

Dafür musst du weder die erfahrenste Juristin im Raum sein noch das vollkommen neue Thema erfunden haben. Wissen ist kopierbar. Deine Persönlichkeit nicht.

Der Weg zur Juristin als Speakerin beginnt deshalb zunächst mit der Entscheidung, dass du etwas zu sagen hast – und dass dein Wissen, deine Erfahrung und deine Perspektive für andere wertvoll sein können.

Danach kommt das Handwerk. Richte deinen Vortrag auf dein Publikum aus. Gib echten Mehrwert. Verwechsle Professionalität nicht mit Perfektion. Verstecke dich nicht hinter deinem Manuskript oder übervollen Folien. Und verabschiede dein Publikum mit einer Botschaft, die hängen bleibt.

Mein Umsetzungstipp für dich: Nimm dir deinen letzten Vortrag, deine letzte Präsentation oder einen bevorstehenden Auftritt vor und prüfe zwei Dinge.

  1. Wie verteilt sich dein Fokus? Sprichst du zu 80 Prozent für dein Publikum – oder doch viel über dich, deine Kanzlei oder dein Unternehmen?
  2. Wie lautet dein letzter Satz? Wenn dort bisher nur „Danke“ steht, formuliere eine konkrete Botschaft oder Handlungsaufforderung.

Schon diese beiden kleinen Veränderungen können enorm beeinflussen, wie dein Publikum dich wahrnimmt. Denn die Jura-Welt braucht gute Speakerinnen. Je mehr Frauen auf Bühnen gehen, auf Panels sitzen, Impulse geben und Keynotes übernehmen, desto mehr können wir sichtbar machen, was wir fachlich und persönlich zu sagen haben.

Du machst den Unterschied. Wenn nicht du, wer dann?


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Die Erfolgstipps: So überzeugst du als Juristin als Speakerin

In der Podcastfolge 268 erfährst du praxisnahe Tipps, wie du dich auf die Bühne traust und typische Fehler bei deinem Auftritt vermeidest.

Hier meine drei wichtigsten Tipps für dich:

✅ Fang mit einer kleinen Bühne an. Du musst nicht mit einer Keynote starten. Nutze interne Meetings, Netzwerke oder Panels, um Erfahrung und Selbstvertrauen aufzubauen.

✅ Richte deinen Vortrag konsequent auf dein Publikum aus. Nutze die 20/80-Regel: maximal 20 Prozent über dich, 80 Prozent Mehrwert für deine Zuhörer.

✅ Zeig Persönlichkeit statt Perfektion. Deine Expertise ist wichtig. Unverwechselbar wird dein Vortrag aber durch deine Haltung, deine Erfahrungen und deine Art, dein Wissen zu vermitteln.

 


Weitere (Hör-)Tipps

  • Folge 260: Assoziierte Partnerin durch einen strategischen Pitch: Dr. Anna Leo über das Speakerinnen-Training für Juristinnen und warum sie dieses nach Frankfurt holt
  • Folge 254: Dein Vortrag als Juristin 3 Werkzeuge für einen souveränen Vortrag
  • Folge 249: Selbstbewusst sichtbar statt Zurückhaltung: Die 3 häufigsten Denkfehler im Selbstmarketing
  • Folge 242: Praxis statt Theorie: Bianca Strobel über das Speakerinnentraining für Juristinnen
  • Folge 241: Sichtbar als Speakerin: Uta Höck über ihren Weg auf die Vortragsbühne
  • Folge 214: Wer gut redet, überzeugt! 3 goldene Regeln, wie du als Juristin von der Rednerin zur Meinungsbildnerin wirst
  • Folge 177: Erfolgreiche Akquise durch Fachvorträge – 5 praxiserprobte Tipps für Juristinnen
  • Blogbeitrag Dein erfolgreicher Fachvortrag als Juristin

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