Viele Juristinnen sind fachlich exzellent. Sie arbeiten präzise, verantwortungsvoll und mit hohem Anspruch an Qualität. Und dennoch erleben sie immer wieder, dass Sichtbarkeit, Einfluss und Anerkennung in der Kanzlei sowie darüber hinaus nicht automatisch mit der eigenen Performance bzw. Leistung wachsen. Entscheidungen fallen woanders, Karrieren verlaufen scheinbar zufällig, Netzwerke wirken wenig offen.
Die Ursache liegt selten im Können – sondern in der Frage, wie sichtbar dieses Können durch eine entsprechende Außenwirkung ist. Genau hier setzt Networking an. Nicht als Selbstmarketing, sondern als strategische Kompetenz, die darüber entscheidet, wer von den richtigen Personen wahrgenommen wird, wessen Stimme gehört wird und wer Einfluss ausübt.
In diesem Beitrag erfährst du, warum Networking kein einheitliches Erfolgsrezept kennt, sondern stark von individuellen Mustern geprägt ist. Anhand verschiedener, an das DISG-Modell angelehnter Networking-Typen geht es darum, den eigenen Stil (und natürlich den des Gegenübers) besser zu verstehen, typische innere Hürden einzuordnen und Networking so zu gestalten, dass es zur eigenen Persönlichkeit passt. Denn Sichtbarkeit und Einfluss entstehen nicht durch Anpassung, sondern durch bewusste Selbstkenntnis, strategisches Personal Branding und proaktive, zu dem jeweiligen Typ passende Beziehungsgestaltung.
Networking-Typen als Spiegel: Wie das DISG-Modell Orientierung gibt
Networking beginnt nicht bei Events oder auf Plattformen wie LinkedIn, sondern bei dir selbst. Genauer gesagt bei der Frage:
Wie knüpfe ich zu mir passende Kontakte, wie entwickle ich ausgewählte Beziehungen (weiter), und wie bewege ich mich in Netzwerken?
Unterschiedliche Networking-Typen (auf Basis des DISG-Modells, wie die unten stehende Grafik zeigt) helfen dabei, das eigene Verhalten sowie auch das des Gegenübers entsprechend einzuordnen. Sie nicht als Schubladen, sondern als Denkmodell zu verstehen, welches sichtbar macht, wo deine natürlichen Stärken liegen, und wo du dich selbst bzw. andere möglicherweise begrenzt.

Die vier Networking-Typen im Überblick
Der strategische Networking-Typ „D“ agiert klar und zielgerichtet. Kontakte werden bewusst aufgebaut, Gespräche fokussiert geführt, Netzwerken als langfristige Investition verstanden. Diese Haltung schafft Wirkung – birgt aber die Gefahr, Beziehungen zu funktional zu betrachten und emotionale Resonanz zu unterschätzen.
Der kommunikative Networking-Typ „I“ lebt vom Austausch. Gespräche entstehen leicht, Atmosphäre wird geschaffen, Sichtbarkeit ergibt sich fast automatisch. Dieser Typ wirkt präsent und verbindlich. Die Herausforderung liegt darin, Kontakte nicht nur zu knüpfen, sondern gezielt zu vertiefen und strategisch nutzbar zu machen.
Der beziehungsorientierte Networking-Typ „S“ baut Vertrauen auf. Zuhören, Verlässlichkeit und echtes Interesse stehen im Vordergrund. Viele Juristinnen bewegen sich intuitiv in diesem Modus. Die Stärke liegt in stabilen Beziehungen – die Herausforderung darin, die eigene Kompetenz klar zu positionieren und nicht im Hintergrund zu bleiben.
Der analytische Networking-Typ „G“ überzeugt durch Fachlichkeit und Tiefe. Gespräche werden schnell inhaltlich, Expertise schafft Respekt. Einfluss entsteht hier häufig indirekt, über Empfehlungen. Gleichzeitig werden informelle Netzwerke oft gemieden – und damit Chancen auf Sichtbarkeit verschenkt.
Zwischen Typ und Persönlichkeit: Was dir Networking-Modelle zeigen können
Hast du dich in einem dieser Networking-Typen wiedererkannt? Entscheidend ist nicht, welcher Typ du bist, sondern wie du dein Wissen dazu bewusst einsetzt.
Klar ist aber auch, dass Modelle wie DISG bewusst mit Zuspitzungen, klaren Profilen und damit zwangsläufig auch mit Vereinfachungen arbeiten (müssen). In der Realität bewegen wir uns meist zwischen mehreren Ausprägungen und zeigen je nach Kontext unterschiedliche Facetten. Genau darin liegt jedoch nicht der Nachteil, sondern der Erkenntnisgewinn.
Denn unabhängig davon, ob du dich eindeutig zuordnen kannst oder Mischtypen in dir erkennst: Das bewusste Erkennen des eigenen Networking-Stils schafft Orientierung. Ebenso wertvoll ist es, sensibel wahrzunehmen, wie dein Gegenüber agiert – wer Struktur braucht, wer Beziehung sucht, wer Klarheit oder Austausch schätzt. Auf dieser Basis wird Netzwerken leichter: Gespräche entstehen natürlicher, Erwartungen lassen sich besser einschätzen und Verbindung wird möglich, ohne sich zu verbiegen.
Die unterschiedlichen Networking-Typen verstehen und bewusst nutzen
Das Verständnis der unterschiedlichen Networking-Typen zeigt auch, dass es nicht den einen richtigen Weg des Netzwerkens gibt.
Manche Juristinnen gehen offen, direkt und sichtbar auf andere zu, andere wirken leiser, strukturierter oder stärker beziehungsorientiert – und sind dennoch ebenso wirksam. Entscheidend ist nicht, ob du eher initiativ, verbindlich, analytisch oder strategisch agierst, sondern ob du dir deiner eigenen Muster bewusst bist. Wer erkennt, wie diese Beziehungen gestalten und wo Zurückhaltung entsteht, kann seine Networking-Skills gezielt einsetzen – auch im Kontakt mit sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten.
Gleichzeitig zeigen Networking-Typen, warum Missverständnisse und innere Widerstände im Netzwerken so häufig sind. Was für die eine selbstverständlich wirkt – etwa sich aktiv ins Gespräch zu bringen oder gezielt Kontakte zu platzieren –, fühlt sich für eine andere unpassend oder sogar unangenehm an. Ohne dieses Verständnis entsteht schnell das Gefühl: Ich bin nicht gut im Netzwerken. In Wahrheit fehlt meist nicht die Fähigkeit, sondern die Übersetzung des eigenen Stils in wirksames Verhalten. Networking wird bringt dann die gewünschten Ergebnisse, wenn es typgerecht gestaltet wird – nicht angepasst oder aufgesetzt, sondern im Einklang mit der eigenen Persönlichkeit und Haltung.
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Beziehungsorientierung ist kein „weicher Faktor“, sondern Machtkompetenz
Gerade wenn Networking typgerecht gedacht wird, wird deutlich, dass Einfluss nicht primär dadurch entsteht, dass du dich hart durchsetzt oder entsprechend laut argumentieren kannst. Entscheidend ist die Fähigkeit, Beziehungen bewusst zu gestalten – und genau hier liegt eine Kompetenz, die im juristischen Umfeld häufig unterschätzt wird.
Juristinnen erleben häufig, dass ihre Beziehungsorientierung unterschätzt oder als mangelnde Durchsetzungsstärke missverstanden wird. Dabei ist genau sie ein zentraler Hebel für nachhaltigen Einfluss, welchen viele Kolleginnen in ihrem Portfolio haben und so für ihr berufliches Vorankommen nutzen können.
Beziehungen schaffen Vertrauen. Vertrauen schafft Handlungsspielraum. Handlungsspielraum ist Einfluss.
Die Herausforderung liegt darin, Beziehungsorientierung nicht mit Anpassung zu verwechseln. Wirkung entsteht dort, wo Verbindung und Klarheit zusammenkommen. Wo du sowohl zuhörst als auch Position beziehst. Wo du unterstützt – und zugleich sichtbar bist & bleibst.
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Networking bedeutet nicht gefallen – sondern bewusstes Gestalten von Beziehungen
Ein verbreiteter innerer Konflikt vieler Juristinnen ist die Sorge, Networking könne manipulativ wirken oder ein unangenehmes Geben-und-Nehmen erzeugen. Diese Ambivalenz entsteht häufig dort, wo der eigene Networking-Typ nicht mit gängigen Vorstellungen von „erfolgreichem Netzwerken“ übereinstimmt. Wer beziehungsorientiert oder analytisch geprägt ist, erlebt aktives Sichtbarmachen schnell als aufgesetzt oder unpassend – nicht, weil es unwirksam wäre, sondern weil es nicht typgerecht erfolgt.
Netzwerke funktionieren jedoch nicht über Gefälligkeiten oder Selbstdarstellung, sondern über gegenseitige Resonanz und Vertrauen. Je nach Networking-Typ zeigt sich diese Resonanz unterschiedlich: durch fachliche Tiefe, verbindliche Beziehungen, strategische Klarheit oder kommunikative Präsenz. Wirkung entsteht nicht dann, wenn alle gleich netzwerken, sondern wenn jede Juristin ihren eigenen Stil bewusst einsetzt – klar, authentisch und mit Fokus auf das Gegenüber.
Wer Wissen teilt, Perspektiven öffnet oder Menschen miteinander verbindet, erweitert den eigenen Einfluss – oft ohne unmittelbare Gegenleistung.
Gerade hierin liegt die Stärke vieler Networking-Typen, die sich selbst nicht als „klassische Netzwerkerinnen“ verstehen. Networking ist damit kein „Nice-to-have“ zusätzlich zur fachlichen Arbeit, sondern ein integraler Bestandteil professionellen Handelns – vorausgesetzt, es passt zu deiner Persönlichkeit.
Denn nur dann wirkt es nach innen (in Kanzleien, Unternehmen und andere Organisationen) und nach außen (Mandant:innen, Kolleg:innen, Netzwerk- bzw. Kooperationspartner:innen und Multiplikator:innen).
Reflexionsfragen für dich
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Welcher Networking-Typ bist du?
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Wo nutzt du deine Stärken – und wo hältst du dich zurück?
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In welchen Situationen wäre mehr Sichtbarkeit hilfreich?

Mit Netzwerken und dem Wissen um Networking-Typen den eigenen Handlungsspielraum gezielt erweitern
Wer Networking typgerecht versteht, erkennt schnell: Einfluss entsteht nicht allein durch Fachlichkeit oder Anstrengung, sondern durch Position, Wahrnehmung und Reichweite. Viele Juristinnen setzen lange auf Leistung als primären Erfolgsfaktor. Doch Leistung allein sorgt weder für die entsprechende Sichtbarkeit & Reichweite, noch ermöglicht sie dir einen wirklichen Einfluss. Eine „Machtbasis“ entsteht dort, wo andere dich kennen, einschätzen können und bereit sind, deinen Namen weiterzutragen.
Das Wissen um Networking-Typen erweitert diesen Blick. Denn je nach Typ entstehen Einflussmöglichkeiten auf unterschiedliche Weise: durch strategische Platzierung, stabile Beziehungen, fachliche Autorität oder kommunikative Präsenz. Wer den eigenen Stil kennt, kann gezielt entscheiden, welche Bühnen tatsächlich Sichtbarkeit bringen, welche Kontakte als Multiplikator:innen wirken und wie das berufliche Image aktiv (mit-)gestaltet werden kann – statt allein auf Kompetenz und Leistung zu setzen.
Networking bedeutet in diesem Sinne nicht, möglichst viele Kontakte zu sammeln, sondern die passenden Beziehungen bewusst zu knüpfen und zu pflegen. Einfluss wächst dort, wo Vertrauen entsteht, Kompetenz zugeordnet wird und andere bereit sind, Türen zu öffnen oder mitzudenken. Je klarer du dabei deinen eigenen Networking-Typ kennst – und den deines Gegenübers wahrnimmst –, desto leichter wird es, Gespräche wirksam zu führen und deinen Einfluss Schritt für Schritt auszubauen.
Meine persönliche Empfehlung: Networking folgt keinem einheitlichen Muster.
Unterschiedliche Networking-Typen zeigen, dass Einfluss auf verschiedenen Wegen entsteht – durch strategische Klarheit, durch Kommunikation, durch Beziehung oder durch fachliche Tiefe. Entscheidend ist nicht, ob du als Juristin netzwerkst, sondern wie bewusst.
Wer den eigenen Networking-Typ kennt, erweitert die persönlichen Einflussmöglichkeiten nicht durch Anpassung, sondern durch gezielte Gestaltung. Netzwerken wird so zu einem Instrument, um zielfokussiert sichtbar zu werden, nachhaltige Beziehungen zu stärken und den individuellen (Karriere-)Handlungsspielraum kontinuierlich zu erweitern.
Podcast-Hörtipps für erfolgreiches Netzwerken als Juristin
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- Folge 247: Was macht ein gutes Netzwerk aus? 5 Fragen, die du dir zu deinem Netzwerk stellen solltest
- Folge 168: Als Expertin im Netzwerk sichtbar: Wie du deine Expertise am besten in dein Netzwerk trägst
- Folge 157: Welcher Networking-Typ bist du? Wie du beim Networking deine eigenen Stärken und die der anderen kennst & nutzt
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