„Ich mache gute Arbeit – das wird der Chef oder der Mandant schon sehen und honorieren.“
Wenn dir dieser Gedanke bekannt vorkommt, bist du nicht allein. Und er ist nicht falsch – nur unvollständig. Dein Gehalt als Juristin hängt nämlich nur zu einem kleinen Teil davon ab, was du fachlich leistest. Den größten Teil bestimmen andere Faktoren. Das ist eine gute Nachricht – denn diese kannst du als Anwältin bzw. Unternehmensjuristin aktiv gestalten.
In diesem Beitrag schauen wir uns an, was dein Gehalt wirklich beeinflusst, warum der Gender Pay Gap in der Anwaltschaft so hartnäckig bleibt – und welche konkreten Stellschrauben dir helfen, mehr zu verdienen.
Der Gender Pay Gap in der Anwaltschaft: real, aber veränderbar
Die im Februar 2026 veröffentlichte, jährliche STAR-Erhebung der Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) liefert dazu aufschlussreiche Daten für das Wirtschaftsjahr 2024: Angestellte Anwältinnen in Vollzeit verdienen im Schnitt 22 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. In Teilzeit sind es sogar 27 Prozent. Bei Syndikusrechtsanwältinnen liegt der Unterschied bei 20 Prozent.
Diese Lücke hat mehrere Ursachen – und nicht alle lassen sich schnell schließen. Aber ein Teil davon ist veränderbar. Denn die Erfahrung zeigt, dass Frauen ihr Gehalt seltener und weniger konsequent verhandeln als ihre männlichen Kollegen. Das ist keine Charakterfrage. Es ist eine Frage von Wissen, Vorbereitung und konsequentem Tun.
Das eigene Gehalt regelmäßig zu verhandeln, macht einen enormen Unterschied: Wer jedes Jahr das Gespräch sucht, statt zu warten, und die eigene Leistung sichtbar macht, statt darauf zu hoffen, dass sie jemand bemerkt – die baut über die gesamte Karriere einen deutlichen Gehaltsvorsprung auf. Denn Gehaltserhöhungen werden prozentual berechnet. Mit jeder nicht geführten Verhandlung verlierst du mehr, als du denkst.
Der größte Irrtum: Deine Leistung spricht für sich
Viele Juristinnen gehen davon aus, dass sich gute Arbeit von selbst bezahlt macht. Dass der Vorgesetzte es schon bemerken wird. Dass der richtige Moment für das Gespräch von selbst kommt.
Die Grafik zeigt es auf einen Blick: 60 Prozent vom Gehalt als Juristin hängen von deiner Bekanntheit bei den Entscheider:innen (also den Partner:innen in deiner Kanzlei oder den Vorgesetzten im Unternehmen) ab – also davon, wie gut dein internes und externes Netzwerk dich kennt. 30 Prozent bestimmen dein Image, also dein Personal Branding und Selbstmarketing. Nur 10 Prozent entfallen auf deine tatsächliche Arbeitsleistung.

Für dich bedeutet das: Eine entsprechende Leistung ist eine wichtige Voraussetzung, aber kein Verhandlungsargument für mehr Gehalt als Juristin. Solange diese von den für dich relevanten Personen nicht oder eben auch nicht ausreichend wahrgenommen wird.
Die Erfahrung zeigt immer wieder: Wenn du als Juristin sichtbar bist und regelmäßig (nach-)verhandelst, verdienst du mehr – nicht weil du mehr leistest, sondern weil du auf diese Weise immer wieder deinen Wert kommunizierst.
Die drei Karriere-Erfolgsfaktoren aus der Grafik – Bekanntheit, Image und Leistung – habe ich in Podcastfolge 179 ausführlich besprochen. Hör gern rein!
„Sichtbarkeit als Expertin“ ist keine Eitelkeit: Das ist deine Strategie für mehr Gehalt als Juristin
Dich mit deiner Expertise und als Persönlichkeit intern bzw. extern sichtbar zu machen, bedeutet nicht, laut zu sein oder sich in den Vordergrund zu drängen. Es führt dazu, dass die Menschen, die über deine Karriere und dein Gehalt entscheiden, wissen, was du kannst, was du leistest und wofür du stehst.
Das gelingt zum Beispiel durch diese drei Ansätze:
- Erfolge aktiv kommunizieren: Teile abgeschlossene Projekte, positives Feedback von Mandant:innen, Kooperationspartner:innen oder den von dir im Unternehmen betreuten Führungskräften bzw. Abteilungen oder eine zusätzlich übernommene Verantwortung gezielt mit deinen Vorgesetzten – kurz, sachlich, regelmäßig: „Der Mandant X hat heute den Vertrag freigegeben und war sehr zufrieden mit unserem Entwurf“.
- Präsenz in Meetings: Ergreife das Wort, wenn es um deine Rechtsgebiete, deine Mandate oder deine Expertise geht. Die Erfahrung zeigt, dass Männer in Besprechungen doppelt so häufig das Wort ergreifen wie Frauen. Wer die eigene Wortmeldungsquote „nur“ verdoppelt, steigert die eigenen Gehaltsaussichten wesentlich.
- Spezialisierung sichtbar machen: Wer für ein bestimmtes Themenfeld – etwa Datenschutz, Arbeitsrecht oder M&A – als interne oder externe Anlaufstelle gilt, hat strukturell die bessere Ausgangsposition im Gehaltgespräch. Eine Spezialisierung wie bspw. ein Fachanwaltstitel oder ein LL. M., welche:r aktiv kommuniziert und damit bekannt wird, schafft Nachfrage – und damit Verhandlungsmacht im Gehaltsgespräch: „Ich bin die Einzige in der Kanzlei, die dieses Thema vollständig abdecken kann.“
Warte nicht darauf, dass deine Vorgesetzten oder Kolleg:innen dies von selbst bemerken. Kommuniziere es aktiv – denn was nicht sichtbar ist, wird nicht honoriert.
Mehr dazu, wie du dich auf LinkedIn als Expertin positionierst und deine Sichtbarkeit auf dieser Plattform – auch über das Profil hinaus – strategisch aufbaust, findest du in diesem Blog-Beitrag. Denn was intern auffällt, wird oft erst durch externe Sichtbarkeit ausgelöst. Wenn du auf LinkedIn als Expertin wahrgenommen wirst, strahlt das auch nach innen aus.

Die versteckten Erfolgshürden auf dem Weg zu mehr Gehalt als Juristin
Wenn kontinuierliche Sichtbarkeit und eine regelmäßige (zumindest jährliche) Verhandlung des eigenen Gehalts so wichtig sind – warum tun es dann so viele Juristinnen nicht? Die Antwort liegt selten im Wissen. Sie liegt in den Gedanken, die dich im entscheidenden Moment ausbremsen:
„Ich will das gute Verhältnis zum Partner nicht belasten.“ „Ich bin noch nicht lang genug dabei.“ „Was, wenn der Chef Nein sagt?“
Hinter diesen „Erfolgshürden“ steckt häufig mehr als nur Vorsicht – nämlich das Gefühl, die eigene Leistung nicht wirklich zu verdienen oder den eigenen Wert zu überschätzen. Wenn du das kennst, lies gern meinen Blogbeitrag zum Imposter-Syndrom.
Mache dir bewusst: Diese Gedanken sind weit verbreitet und sie kosten dich bares Geld. Denn während du wartest, verhandelt dein Kollege bereits. Und weil Gehaltserhöhungen prozentual berechnet werden, multipliziert sich der Nachteil über die gesamte Karriere zu einer hübschen Summe.
Die gute Nachricht: Diese Blockaden sind überwindbar. Nicht durch Willenskraft allein, sondern durch Bewusstsein, Vorbereitung und – vor allem – regelmäßige Übung.
Gut für sich selbst zu verhandeln ist eine Fähigkeit, die sich trainieren lässt.
3 Praxisimpulse für dein nächstes Gehaltgespräch
Bevor du das nächste Mal über dein Gehalt als Juristin sprichst, lohnt sich diese Vorbereitung:
- Führe ein Erfolgstagebuch: Notiere dir wöchentlich, was du geleistet hast – abgeschlossene Verfahren, positives Feedback, übernommene Verantwortung. Diese Liste ist dein stärkstes Argument und die Grundlage deiner Selbstwahrnehmung als Expertin.
- Kenne deinen Marktwert: Informiere dich über übliche Gehälter in deiner Position, deiner Kanzleigröße und deiner Region. Nutze dafür Netzwerkgespräche, Branchenreports oder Gespräche mit Headhunter:innen. Wer seinen Marktwert kennt, argumentiert mit Fakten – nicht aus dem Bauch heraus.
- Wähle den richtigen Zeitpunkt: Das Ende der Probezeit, ein nachweisbarer Erfolg oder die Übernahme neuer Verantwortung sind natürliche Ankerpunkte für das Gespräch. Warte nicht darauf, eingeladen zu werden. Setze den Termin selbst an – und das mindestens einmal pro Kalenderjahr.

Weiterbildung zahlt sich aus – aber nur, wenn du sie auch einforderst
Wer sich kontinuierlich weiterbildet, steigert nicht nur seine Kompetenz, sondern auch seinen Marktwert. Die Erfahrung zeigt: Männer fordern ihr Weiterbildungsbudget deutlich aktiver ein als Frauen. Dabei ist eine gezielte Weiterbildung – ob Fachanwaltstitel, LL.M. oder eine Zertifizierung als Mediatorin – ein starkes Argument im nächsten Gehaltsgespräch. Plane daher mindestens einmal im Jahr eine Weiterbildung ein und kommuniziere sie aktiv gegenüber deinen Vorgesetzten.
Noch ein Tipp für den Fall, dass dein Chef einer Gehaltserhöhung aktuell nicht positiv gegenübersteht: Eine Weiterbildung auf Kanzlei- oder Unternehmenskosten und/oder eine entsprechende Freistellung, wenn du diese selbst bezahlst, ist eine wertvolle Alternative – sie erhöht deinen Marktwert, stärkt deine Verhandlungsposition für die nächste Runde und zeigt gleichzeitig, dass du langfristig denkst.
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Sachlich, ruhig, konsequent – und bitte ohne schlechtes Gewissen
Wer als Juristin auf Ungleichbehandlung hinweist oder konsequent nach einer Gehaltserhöhung fragt, wird manchmal als „zu fordernd“ wahrgenommen. Das ist kein Grund, zurückzurudern – sondern ein Zeichen dafür, dass du deine Interessen professionell vertrittst. Genau das tust du täglich für deine Mandant:innen.
Kommuniziere vorwurfsfrei, faktenbasiert und lösungsorientiert – weder anklagend noch wertend.
Agiere klar und sachlich. Das ist professionelles Selbstmarketing und keine Schwäche. Zudem ist es der einzige Stil, der langfristig wirkt.
Meine persönliche Empfehlung: Dein Gehalt als Juristin ist kein Zufall
Eine Gehaltserhöhung ist kein Automatismus. Diese ist das Ergebnis von Sichtbarkeit, Positionierung und dem Mut, regelmäßig das Gespräch zu suchen. Die STAR-Erhebung der BRAK zeigt: Der Gap zwischen Anwältinnen und Anwälten ist real – aber er ist nicht unveränderbar.
Einen Teil davon hast du in deiner Hand. Leistung allein reicht nicht. Sie muss intern wie extern sichtbar gemacht, anerkannt und bekannt werden. Wenn du weißt, was sie wert ist und darüber regelmäßig sprichst, hast du kurz- wie langfristig mehr Gehalt als Juristin.
Podcast-Hörtipps zum Thema „Nach dem Fachvortrag Mandate gewinnen“
- Folge 252: Bist du wirklich eine Hochstaplerin? Warum du deinen Erfolg kleinredest
- Folge 189: Wie du als Juristin deine „als Expertin im Netzwerk sichtbar Strategie“ kontinuierlich im Arbeitsalltag umsetzt
- Folge 176: Unverwechselbar statt austauschbar: Personal Branding für Juristinnen
- Folge 168: Als Expertin im Netzwerk sichtbar: Wie du als Juristin deine Expertise am besten in dein Netzwerk trägst
Dein nächster Schritt zu mehr Gehalt als Juristin
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